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DIE BHAGAVADGÎTÂ

S. RADHAKRISHNAN[1]

 

„Ich versenke mich in dich, o Mutter, o Bhagavadgîtâ, heilige, die du vom erhabenen Nârâyana selbst dem Arjuna verkündet wurdest, von Vyâsa, dem alten Weisen, inmitten des Mahâbhârata niedergegeschrieben wurdest, aus achtzehn Kapiteln bestehst, den Nektar nichtzweiheitlichen Wissens träufelst, die Wiedergeburt vernichtest.[2]

 

„Dieses berühmte Gîtâsâstra ist eine Zusammenfassung des Wesentlichen aller vedischen Lehren. Die Kenntnis ihrer Lehre führt zur Verwirklichung aller menschlichen Bestrebungen.[3]

 

„In der Bhagavadgîtâ finde ich einen Trost, den ich selbst in der Bergpredigt vermisse. Wenn mir manchmal die Enttäuschung ins Antlitz starrt, wenn ich, verlassen, keinen Lichtstrahl erblicke, greife ich zur Bhagavadgîtâ. Dann finde ich hier und dort eine Strophe und beginne alsbald zu lächeln inmitten aller niederschmetternden Tragödien – und mein Leben ist voll von äußeren Tragödien gewesen. Wenn sie alle keine sichtbare, keine untilgbare Wunde auf mir hinterlassen haben, verdanke ich dies den Lehren der Bhagavadgîtâ“ (Mohandas Karamchand Gândhi, Young India, 1925, S. 1078 f.).

 

INHALTSVERZEICHNIS

 

  • Einleitung
  1. Arjunas Zaudern und Niedergeschlagenheit
  2. Sâmkhya-Theorie und Yoga-Praxis
  3. Karmayoga oder die Methode zu Handeln
  4. Der Weg des Erkennens
  5. Die rechte Entsagung
  6. Der wahre Yoga
  7. Gott und die Welt
  8. Der Gang der kosmischen Entwicklung
  9. Der Herr is mehr als seine Schöpfung
  10. Gott ist die Quelle von Allem: Ihn kennen heißt Alles kennen
  11. Die Verklärung des Herrn
  12. Die Verehrung des persönlichen Gottes ist besser als Meditation über das Absolute
  13. Die Unterscheidung zwischen dem Körper als dem Felde und der Seele als dem Kenner des Feldes
  14. Der mystische Vater aller Wesen
  15. Der Baum des Lebens
  16. Die Natur des Gottgleichen und des dämonischen Geistes
  17. Die drei Erscheinungsweisen auf religiöse Phänomene angewendet
  18. Entsagung soll nicht an den Werken, sondern an den Früchten der Werke geübt werden

 

EINLEITUNG

 

INTRODUCTION IN ENGLISH

by Dr. Ramananda Prasad, Ph.D.

 

&

 

            The Gita is a doctrine of universal truth. Its message is uni­ver­sal, sublime, and non-sectarian although it is a part of the scrip­tural trinity of Sanaatana Dharma, commonly known as Hinduism. The Gita is very easy to understand in any language for a mature mind. A repeated reading with faith will reveal all the sublime ideas con­tained in it. A few abstruse statements are interspersed here and there but they have no direct bearing on practical issues or the central theme of Gita. The Gita deals with the most sacred metaphysi­cal science. It imparts the knowledge of the Self and answers two universal questions: Who am I, and how can I lead a happy and peaceful life in this world of dualities. It is a book of yoga, the moral and spiri­tual growth, for mankind based on the cardinal principles of the Hindu religion.

            The message of the Gita came to humanity because of Arjuna’s unwill­ingness to do his duty as a warrior because fighting in­volved destr­uction and killing. Non-violence or Ahimsa is one of the most fundamen­tal tenets of Hinduism. All lives, human or non-human, are sacred. This immortal discourse between the Supreme Lord, Krishna, and His devotee-friend, Arjuna, occurs not in a temple, a secluded forest, or on a mountain top but on a battlefield on the eve of a war and is recorded in the great epic, Mahaabhaarata. In the Gita Lord Krishna advises Arjuna to get up and fight. This may create a misunderstanding of the prin­ciples of Ahimsa if the background of the war of Mahaabhaarata is not kept in mind. Therefore, a brief historical description is in order.

            In ancient times there was a king who had two sons, Dhritaraashtra and Paandu. The former was born blind, therefore, Paandu in­herited the kingdom. Paandu had five sons. They were called the Paandavs. Dhritaraashtra had one hundred sons. They were called the Kauravs. Duryodhana was the eldest of the Kauravs.

            After the death of king Paandu, the eldest son of Paandu became the lawful King. Duryodhana was a very jealous person. He also wanted the king­dom. The kingdom was divided into two halves between the Paandavs and the Kauravs.  Duryodhana was not satisfied with his share of the king­dom. He wanted the entire kingdom for himself. He unsuccessfully planned several foul plots to kill the Paandavs and take away their kingdom. He unlawfully took possession of the entire kingdom of the Paandavs and refused to give back even an acre of land without a war. All mediation by Lord Krishna and others failed. The big war of Mahaabhaarata was thus in­evitable. The Paandavs were unwilling par­ticipants. They had only two choices: Fight for their right as a matter of duty or run away from war and accept defeat in the name of peace and nonviolence. Arjuna, one of the five Paandava brothers, faced the dilemma in the battlefield whether to fight, or run away from war for the sake of peace.

            Arjuna’s dilemma is, in reality, the universal dilemma. Every human being faces dilemmas, big and small, in their everyday life when performing their duties. Arjuna’s dilemma was a big one. He had to make a choice between fighting the war and killing his most revered guru who was on the other side, very dear friends, close relatives, and many innocent warriors; or run­ning away from the battlefield for the sake of preser­ving the peace and nonviolence. The entire seven hundred verses of the Gita is a discourse between Lord Krishna and the confused Arjuna on the battlefield of Kurukshetra near New Delhi, India, in about 3,100 years BCE. This discourse was narrated to the blind king, Dhritaraashtr, by his charioteer, Sanjaya, as an eyewitness war report.

 

1.  Arjunas Zaudern und Niedergeschlagenheit

 

Dhrtarâstra sagte: Was taten, o Samjaya, die Meinen und die Pândavas, da sie kampfbegierig sich auf dem Felde des Rechtes, dem Kuru-Felde, gegenübertraten? (01.01

 

DIE ZWEI HEERE

 

Samjaya sagte: Nachdem Duryodhana, der König, das in Schachtordnung aufgestellte Heer der Pândavas erblickt hatte, ging er zu seinem Lehrer hin und sprach: (01.02)

Sieh, o Lehrer, das riesige Heer der Pândusöhne, das der Sohn Drupadas, dein weiser Schüler, augestelt hat. (01.03)

Da sind Helden, großmächtige Bogenschützen, die dem Bhîma und dem Arjuna im Kampfe gleichen: Yuyudhâna, Virâta und Drupada, der gewaltige Krieger. (01.04)

Dhrstaketu, Cekitâna und der tapfere König von Kâsi, ferner Purujit, Kuntibhoja und Saibya, der erste aller Männer. (01.05)

Der starke Yudhâmanyu und der kühne Uttamaujas, dann der Sohn der Subhadrâ un die Söhne der Draupadi, alle große Krieger. (01.06)

Höre nun, o bester der Zweimalgeborenen, welche hervorragenden (Männer) unter uns die Führer meines Heeres sind. Ich will sie dir nennen, damit du unterrichtet bist. (01.07)

Du selbst, Bhîsma und Karna und Krpa, der Kampfgewinner; Asvatthâman, Vikarna und der Sohn des Somadatta. (01.08)

Und viele andere Helden, die meinetwillen ihr Leber aufs Spiel gesetzt haben; sie sind mit den verschiedensten Waffen ausgerüstet und alle kampferfahren. (01.09)

Unbegrenzt ist diese unsere Heeresmacht, die von Bhîsma geleitet wird, begrenzt jedoch jene Heeresmacht der anderen, die von Bhîma geleitet wird. (01.10)

Euren Rängen entsprechend an allen Fronten aufgestellt, sollt ihr daher den Bhîsma unterstüten. (01.11)

 

DAS ERTÖNEN DER MUSCHELHÖRNER

 

Um ihn aufzumuntern, brüllte der alte Kuru, der tapfere Großvater, laut wie ein Löwe und blies seine Muschel. (01.12)

Dann wurden plötzlich Muscheln, Kesselpauken, Tamburins und Hörner angeschlagen, und der Lärm war gewaltig. (01.13)

Auf ihrem an weiße Rosse gespannten, großen Wagen stehend, bliesen Kŗşna und Arjuna ihre himmlischen Muscheln. (01.14)

Kŗşna blies seine Pâncajanya (-Muschel), Arjuna seine Devadatta, und Bhîma, der schreckliche Taten Vollbringende, seine mächtige Muschel Paundra. (01.15)

Fürst Yudhisthira, der Sohn der Kunti, blies seine Ananta-vijaya, und Nakula und Sahadeva bliesen auf ihren beiden (Muscheln) Sughosa und Manipuspaka. (01.16)

Und der König von Kâsi, das Haupt der Bogenschützen, Sikhandin, der große Krieger, Dhrstadyumna und Virâta und der unbesiegbare Sâtyaki, (01.17)

Drupada und die Söhne der Draupadi, o Herr der Erde, und der starkarmige Sohn der Subhadrâ, sie bliesen auf allen Seiten jeder seine Muschel. (01.18)

Das gewaltige, durch Himmel und Erde widerhallende Tosen zerriß die Herzen der Söhne Dhrtarâstras. (01.19)

 

ARJUNA ÜBERBLICKT DIE BEIDEN HEERE

 

Dann blickte Arjuna, der einen Affenschopf im Banner trug, auf die in Schlachtordnung aufgestellten Söhne des Dhrtarâstra und richtete seinen Bogen auf, als der Pfeilhagel einsetzte. (01.20)

Und er sprach, o Herr der Erde, dieses Wort zu Hrsikésa (Kŗşna): O Acyuta (Kŗşna), fahre meinen Wagen zwischen die beiden Heere, (01.21)

Damit ich jene schaure, die sich kampfeslustig aufgestellt haben, mit welchen ich in dieser Schlacht zu streiten habe. (01.22)

Ich will sie sehen, die hier kampfbereit zusammengekommen sind und in der Schlacht vollbringen wollen, was dem übelgesinnten Sohn des Dhrtarâstra lieb ist. (01.23)

Nachdem er so von Gudâkesa (Arjuna) angesprochen worden war, o Bhârata (Dhrtarâstra), fuhr Hrsîkésa (Kŗşna) den besten der Wagen zwischen die beiden Heere. (01.24)

Vor Bhîsma, Drona und allen Fürsten sagte er: Erblicke hier, o Pârtha (Arjuna), die versammelten Kurus! (01.25)

Da sah Arjuna, daß dort Väter und Großväter, Lehrer, Onkel, Brüder, Söhne, Enkel und Gefährten standen. (01.26)

Und Schwiegerväter auch, und Freunde, in beiden Heeren. Als der Sohn der Kunti (Arjuna) alle diese Verwandten dort aufggestellt sah, überkam ihn großes Mitleid, und traurig sagte er: (01.27)

 

DIE BETRÜBNIS DES ARJUNA

 

Wenn ich, o Kŗşna, meine eigenen Leute kampfbereit aufgestellt sehe, (01.28)

Beben meine Lippen, mein Mund wird trocken, mein Körper zittert, und meine Haare sträuben sich. (01.29)

(Der Bogen) Gândiva gleitet aus meiner Hand, und meine Haut brennt heftig. Ich vermag nicht mehr zu stehen. Es schwindelt mir. (01.30)

Und ich sehe böse Vorzeichen, o Kesava (Kŗşna), und ich finde kein Heil darin, meine eigenen Leute in der Schlacht zu töten. (01.31)

Ich begehre nicht nach Sieg, o Kesava, auch nicht nach Königsherrschaft und Freuden. Welchen Nutzen haben wir denn vom Königtume, o Govinda, von den Genüssen, oder von Leben selbst? (01.32)

Jene, um deretwillen Königsherrschaft, Genüsse und Freuden uns begehrenswert erscheinen, stehen hier im Kampfe gegenüber und haben auf Leben und Güter verzichtet. (01.33)

Lehrer, Väter, Söhne und Großväter auch, Onkel, Schwiegerväter, Enkel, Schwager und (andere) Verwandte. (01.34)

Wenngleich sie selbst mich töten würden, o Madhusûdana (Kŗşna), möchte ich diese nicht töten, und wäre es für die Herrschaft über die drei Welten; wieviel weniger für die Erde! (01.35)

Welche Freude, o Kŗşna, könnte uns zuteil werden, nachdem wir die Söhne Dhrtarâstras erschlagen haben? Nur die Sünde würde uns befallen, wenn wir diese Übelgesinnten töteten. (01.36)

Darum ziemt es uns nicht, die Söhne Dhrtarâstras, unsere eigenen Verwandten, zu töten; denn wie könnten wir je glücklich werden, o Mâdhava (Kŗşna), nachdem wir unsere eigenen Leute getötet haben? (01.37)

Wenn auch jene, deren Sinn von Gier gehemmt ist, die Zerstörung der Familie nicht als Übel ansehen und im Freundesverrat kein Verbrechen finden, (01.38)

Warum sollen wir nicht erkennen dürfen, o Janârdana (Kŗşna), daß es gilt, uns von dieser Sünde fernzuhalten, wir, die wir die Zerstörung der Familie als Übel ansehen? (01.39)

Wird eine Familie zerstört, so gehen auch ihre alten Gesetze zugrunde; und wenn die Gesetze untergehen, verfällt die ganze Familie der Gesetzlosigkeit. (01.40)

Und wenn Gesetzlosigkeit überhandnimmt, befält die Frauen der Familie Verderbnis, und wenn die Frauen verderbt sind, o Vârsneya (Kŗşna), ensteht Vermischung der Ka  sten. (01.41)

Vermischung führt die Zerstörer der Familie und die Familie selbst zur Hölle. Denn nun brechen, der Reis- und Wasseropfer beraubt, die Geister der Vorfahren zusammen.  (01.42)

Durch die Verbrechen der Familienzerstörer und die von ihnen bewirkte Vermischung der Kasten werden die unsterblichen Gesetze der Kaste und der Familie vernichtet. (01.43)

Und, so haben wir sagen gehört, den Menschen, deren Familiengesetze vernichtet sind, ist der Aufenthalt in der Hölle gewiß, o Janârdana (Kŗşna). (01.44)

Ach weh! Wir sind entschlossen, eine große Sünde zu begehen; denn aus Gier nach den Freuden der Königherrschaft stehen wir bereit, unsere eigenen Leute zu töten. (01.45)

Es wäre besser für mich, wenn die Söhne des Dhrtarâstra, mit Waffen in ihren Händen, mich, den Unbewaffneten, Wehrlosen, in der Schlacht erschlügen. (01.46)

Nachdem Arjuna auf dem Schlachtfelde so gesprochen hatte, sank er auf den Sitz seines Wagens nieder und warf Bogen und Pfeile weg, im Geiste von Betrübnis überwältigt. (01.47)

 

In der Upanişad der Bhagavadgîtâ, der Wissenschaft vom Absoluten, der Schrift über den Yoga und dem Zwiegespräch zwischen Śri Kŗşna und Arjuna ist dies das erste Kapitel, genannt: Die Niedergeschlagenheit des Arjuna.

 

2.     Sâmkhya-theorie und Yoga-praxis

 

KŖŞNA TADELT UND ERMAHNT ZUR TAPFERKEIT

 

Als er so von Mitleid erfüllt und niedergeschlagen war, die Augen traurig und voll Tränen, sprach Madhusûdana (Kŗşna) diese Worte zu ihm: (02.01)

Der Ehrwürdige sprach: Woher kommt dir in dieser schweren Stunde diese Befleckung (Bestürzung)? Sie ist edlen Geistern unbekannt (von Ariern nicht geschätzt), führt nicht in den Himmel und bereitet Schande, o Arjuna! (02.02)

Ergib dich nicht der Unmännlichkeit, o Pârtha (Arjuna), denn sie geziemt dir nicht. Lege diese niedrige Herzensschwachheit ab und erhebe dich, o Feindbedränger (Arjuna)! (02.03)

 

ARJUNAS ZWEIFEL BLEIBEN UNGELÖST

 

Arjuna sagte: Wie soll ich denn in dieser Schlacht, o Madhusûdana (Kŗşna), mit Pfeilen den Bhîsma und den Drona bekämpfen, die (ich) beide sehr verehre, o Feindetöter (Kŗşna)? (02.04)

Es dünkt mir besser, diese ehrwürdigen Lehrer nicht zu töten und betteln zu gehen auf Erden, als diese Lehrer, die zwar nach Gewinn begehren, zu erschlagen und blutbeschmierte Freuden zu genießen. (02.05)

Wir wissen nicht, was besser für uns wäre: daß wir siegen, oder daß jene uns besiegen. Die Söhne Dhrtarâstras, nach deren Tötung wir nicht mehr leben möchten, stehen uns gegenüber. (02.06)

Mein ganzes Wesen ist mit der Schwäche meines Mitleids geschlagen. In meinem Geiste um die Pflicht verwirrt, frage ich dich: Sage mir sicher, was das Bessere ist. Ich bin dein Schüler. Lehre mich, der ich mich darum an dich wende. (02.07)

Ich sehe nicht, was diesen Kummer, der meine Sinne austrocknet, vertreiben könnte, selbst wenn ich ein blühendes, mir unbestrittenes Königreich auf Erden erlangen würde oder gar die höchste Herrschaft über die Götter. (02.08)

Samjaya sagte: Nachdem er so zu Hrsîkésa (Kŗşna) gesprochen hatte, sagte der mächtige Gudâkesa (Arjuna) zu Govinda (Kŗşna): „Ich will nicht kämpfen“, und schwieg stille. (02.09)

Gleichsam lächelnd, o Bhârata (Dhrtarâstra), sprach nun Hrsîkésa (Kŗşna) zu ihm, dem Verzagenden, inmitten der beiden Heere: (02.10)

 

UNTERSCHEIDUNG VON SELBST UND KÖRPER:

WIR SOLLEN NICHT BEKLAGEN, WAS UNVERGÄNGLICH IST

 

Der  Erhabene sagte: Du klagst um solche, die nicht zu beklagen sind, und willst doch Worte der Wahrheit sprechen. Weise beklagen Tote und Lebende nicht. (02.11)

Nie gab es eine Zeit, da ich nicht war und du und diese Fürsten, noch wird je eine Zeit kommen, da wir nicht mehr sein werden. (02.12)

Wie die Seele bereits in diesem Körper Kindheit, Jugend und Alter hat, so geschiedt es auch, daß sie einen anderen körper ergreift. Der Weise wird daran nicht irre. (Siehe 15.08) (02.13)

Die Berührungen mit ihren Objekten, o Sohn der Kunti (Arjuna), bewirken Kälte und Hitze, Freude und Schmerz. Sie kommen und gehen und sind nicht von Bestand. Lerne sie ertragen, o Bhârata (Arjuna). (02.14)

Welchen menschen diese nicht quälen, o erster der Männer (Arjuna), wer derselbe bleibt in Schmerz und Freude, wer weise ist, dieser rüstet sich zur Ewigkeit. (02.15)

Das Nichtseiende kann nicht sein, das Seiende kann nicht aufhören zu sein. Die Wahrheitsseher haben den Schluß aus diesen beiden entdeckt. (02.16)

Wisse, daß unzerstörbar ist, von dem das alles durchdrungen wird. Niemand kann Zerstörung dieses Unwandelbaren bewirken. (02.17)

Ein Ende haben die Körper, unzerstörbar und unfaßbar aber ist das Ewige, welches in diese Körper eingegangen ist. Darum kämpfe, o Bhârata (Arjuna)! (02.18)

Wer denkt, er tötet, wer glaubt, er werde getötet, sind beide im Irrtum. Nicht tötet dieser eine, noch wird er getötet. (02.19)

Nicht wird er geboren, noch stirbt er jemals. Ins Sein gelangt, wird er nicht wieder aufhören zu sein. Er ist ungeboren, ewig, dauerhaft und uralt. Er wird nicht getötet, wenn der Körper getötet wird. (02.20)

Wer ihn als unzerstörbar und ewig, ungeboren und unvergänglich kennt, wie könnte ein solcher Mensch, o Pârtha (Arjuna), irgendeinen töten, irgendeinen töten lassen? (02.21)

Wie ein Mann abgetragene Kleider ablegt und andere, neue anzieht, so legt auch die Seele die abgetragenen Körper ab und geht in andere, neue, ein. (02.22)

Nicht spalten ihn die Schwerter, nich brennt ihn das Feuer, nicht benetzen ihn die Wasser, nicht trocknet ihn der Wind. (02.23)

Er kann nicht gespalten, nicht verbrannt, nicht benetzt und nicht ausgetrocknet werden. Er ist ewig, allgegenwärtig, unwandelbar, unbeweglich, immerwährend. (02.24)

Er wird unoffenbar, undenkbar, unveränderlich genannt. Darum sollst du nicht klagen, nachdem du ihn als solchen erkannt hast. (02.25)

 

WIR SOLLEN DAS VERGÄNGLICHE NICHT BETRAUERN

 

Selbst wenn du meinst, daß das Selbst immer wieder geboren werde und immer wieder sterbe, selbst dann, o Großarmiger (Arjuna), sollst du nicht klagen. (02.26)

Denn dem Geborenen ist der Tod gewiß, dem Toten ist die Geburt gewiß. Darum sollst du über eine unvermeidliche Sache nicht trauern. (02.27)

Nicht offenbar sind die Wesen an ihrem Beginne, offenbar in der Mitte, o Bhârata (Arjuna), und nicht offenbar wiederrum an ihrem Ende. Was gibt es da zu klagen? (02.28)

Der eine betrachtet ihn wie ein Wunder, der andere spricht von ihm wie von einem Wunder, ein anderer wieder hört von ihm wie von einem Wunder, und doch kennt ihn keiner, auch wenn er von ihm gehört hat. (Siehe KaU 2.07) (02.29)

Der im Körper von uns allen weilt, o Bhârata (Arjuna), ist ewig, unzerstörbar. Darum sollst du kein Wesen beklagen. (02.30)

 

APPELL AN DAS PFICHTGEFÜHL

 

Und auch wenn du deine Pflicht berücksichtigst, sollst du nicht schwanken. Denn Größeres gibt es für einen Krieger nicht als den pflichtgemäßen Kampf. (02.31)

Glücklich sind die Ksatriyas, o Pârtha (Arjuna), denen sich ein solcher Krieg wie eine weit geöffnete Himmelstüre darbietet. (02.32)

Wenn du diese pflichtgemäße Schlacht nicht aufnimmst, gerätst du in Schuld, indem du dein Gesetz und deinen Ruhm verrätst. (02.33)

Außerdem wird man ohne Unterlaß deine Schmach verkünden, und für einen Mann, der einst geehrt wurde, ist Schmach schlimmer als Sterben. (02.34)

Die großen Krieger werden glauben, daß du dich aus Furcht dem Kampfe entzogen hast, und sie werden dich, den sie einst hochgeschätzt haben, für gering achten. (02.35)

Deine Feinde werden viel Ungebührliches reden und deine Fähigkeit tadeln. Könnte es Traurigeres geben als das? (02.36)

Entweder wirst du getötet werden und in den Himmel eingehen oder du wirst siegen und die Erde genießen. Darum erhebe dich, o Sohn der Kunti (Arjuna), zum Kampf entschlossen! (02.37)

Rüste dich zum Kampfe, nachdem dir Freude und Leid, Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage gleichgültig geworden sind. So wirst du nicht in Schuld geraten. (02.38)

Was ich dir eben gegeben habe, o Pârtha (Arjuna), ist die Weisheit des Sâmkhya. Vernimm nun die Weisheit des Yoga! Wenn dein Verstand diese aufnimmt, wirst du die Bindung durch die Werke ablegen. (02.39)

Auf diesem Pfade ist keine Mühe verloren, und es gibt kein Hindernis. Schon ein wenig von dieser Gerechtigkeit (dharma) errettet vor großer Gefahr. (02.40)

Hier gibt es, o Freude der Kurus (Arjuna), nur das entschlossene Verstehen; es ist eines. Die Gedanken der Unentschlossenen aber sind vielverzweigt und endlos. (02.41)

 

KEINE WEISHEIT FÜR DEN IRDISCH-GESINNTEN

 

Die Einsichtslosen, die sich an den Vedaschriften ergötzen, die behaupten, daß es anderes nicht gebe, die auf den Himmel bedacht sind und deren Wesen die Begierde ist, verkünden jene blumigen Worte, welche als Lohn der Taten die Wiedergeburt verheißen und viele besondere Riten zur Erlangung von Genüssen und der Herrschaft (festlegen). (02.42-43)

Nicht wohl begründet im Selbst (oder: in der Versenkung) ist der zwischen Gut und Böse unterscheidende Verstand jener, die an den Genüssen und der Macht hängen und deren Geist von diesen (Veda-) Worten hingerissen wird. (02.44)

Hauptasche des Veda sind die Erscheinungsformen; du aber, o Arjuna, befreie dich von dieser dreifachen Natur. Sei frei von den Gegensätzen, stehe fest in der Reinheit, sorge dich nicht um Erwerb und Erhaltung, besitze das Selbst! (02.45)

Soviel Nutzen ein Teich hat, an einer Stelle, wo von allen Seiten her die Wasser zusammengeströmt sind, soviel Nutzen haben auch die Veden für den Brahmanen, welcher erkennt. (02.46)

 

HANDLE OHNE RÜCKSICHT AUF DEN ERFOLG

 

Deine Aufgabe liegt allein im Handeln, nicht in dessen Früchten. Lasse nicht die Früchte deines Tuns deinen Beweggrund sein; ergib dich nicht der Untätigkeit! (02.47)

Gib die Anhänglichkeit auf, o Schätzegewinner (Arjuna), und volbringe, im Yoga gefestigt, deine Werke. Sei gleichmütig gegen Erfolg und Mißerfolg. Gleichmut wird Yoga genannt. (02.48)

Das Werksteht tief unter der Zügelung des Verstandes (buddhi-yoga), o Schätzegewinner (Arjuna). Suche im Verstande deine Zuflucht. Erbarmenswert sind jene, die nach Früchten trachten. (02.49)

Wer seinen Verstand (an das Göttliche) geschirrt hat (oder: in seinen Verstande wohl gegründet ist), läßt beides fahren: Gut und Böse. Befleißige dich darum des Yoga. Yoga ist Geschick im Handeln. (02.50)

Die Weisen, welche ihren Verstand (mit dem Göttlichen) verbunden haben, indem sie auf die Früchte ihrer Werke verzichtet und von den Banden der Geburt sich befreit haben, erreichen den leidlosen Ort. (02.51)

Da dein Verstand die Trübnis der Verblendung überquert, wird dir gleichgültig werden, was gehört worden ist und was noch zu hören sein soll. (02.52)

Wenn dein Verstand, von den vedischen Texten verwirrt, unerschütterlich und fest im Geiste (samâdhi) gründen wird, wirst du Einsicht (yoga) erlangen. (02.53)

 

DIE MERKMALE DES VOLLKOMMENEN WEISEN

 

Arjuna sagte: Welches ist die Beschreibung eines Menschen, der diese festgegründete Weisheit hat, dessen Wesen im Geiste feststeht, o Keśava (Kŗşna)? Wie wird er, dessen Verstand gefestigt ist, sprechen, wie wird er sitzen, wie wird er gehen? (02.54)

Der Erhabene sagte: Wenn jemand alle Wünsche seines Herzens ablegt, o Pârtha (Arjuna), und wenn sein Geist in sich selbst Genüge findet, wird er ein in seinem Verstande Feststehender genannt. (02.55)

Wer in Leiden nicht erschüttert wird und in Freuden frei von Begierden ist, von welchem Leidenschaft, Furcht und Zorn gewichen sind, der wird ein in seinen Verstande feststehender Weiser genannt. (02.56)

Wer nirgendwo Zuneigung hat, wer, wenn er Gutes oder Schlechtes empfängt, weder Freude noch Haß empfindet, dessen Verstand ist fest gegründet (in der Weisheit). (02.57)

Wer, wie eine Schildkröte ihre Glieder, seine Sinnesorgane allerseits von den Sinnesobjekten zurüchzieht, dessen Verstand ist fest gegründet (in der Weisheit). (02.58)

Die Sinnesobjekte wenden sich von der verkörperten Seele ab, die aufhört, sich an ihnen zu nähren; doch bleibt der Geschmack für sie. Aber selbst der Geschmack wendet sich ab,  wenn das Höchste erschaut wird. (02.59)

Mag ein Mensch auch noch so (nach Vollendung) streben, mag er auch noch so einsichtig sein, o Sohn der Kunti (Arjuna), die ungestümen Sinne reißen seinen Geist gewaltsam fort. (02.60)

Sie alle (die Sinne) gebändigt habend, soll er im Yoga dasitzen, auf mich gerichtet. Denn, wer die Sinne in seiner Gewalt hat, dessen Verstand ist fest gegründet.  (02.61)

Wenn ein Mensch an die Sinneobjekte denkt, entsteht Verhaftung an sie. Aus der Verhaftung entspringt Begierde, und aus der Begierde entspringt Zorn. (02.62)

Aus dem Zorn entsteht Verwirrung, aus der Verwirrung Verlust der Erinnerung, aus dem Verlust der Erinnerung Zerstörung des Verstandes. An der Zerstörung des Verstandes. An der Zerstörung des Verstandes geht er zugrunde. (02.63)

Wer aber seine Sinne im Zaum hält, wer mit gezügelten Sinnen, die frei von Anhänglichkeit und Abneigung sind, unter den Sinnesobjekten umhergeht, dieser Mensch erlangt die lauterkeit des Geistes. (02.64)

Und in dieser Lauterkeit des Geistes wird ihm das Ende allen Kummers bereitet. Der Verstand eines solchen Mannes von lauterem Geiste ist bald gefestigt (in dem Frieden des Selbst). (02.65)

Wer ohne Zucht ist, hat keinen Verstand, und wer ohne Zucht ist, hat auch kein Versenkungsvermögen. Wer ohne Versenkungsvermögen ist, findet keinen Frieden. Und wie könnte es für einen, der keinen Frieden hat, Freude geben? (02.66)

Wenn der Geist den schwärmenden Sinnen nachläuft, zieht er den Verstand mit sich fort, wie der Wind ein Schiff auf dem Wasser mit sich fortzieht. (02.67)

Wer darum, o Starkarmiger (Arjuna), seine Sinnesorgane allerseits von ihren Sinnesobjekten zurückhält, dessen Verstand ist fest gegründet. (02.68)

Was für alle Wesen Nacht ist, ist Wachezeit für die gezügelte Seele. Und was für alle Wesen Wachezeit ist, ist Nacht für des Seher, der sieht (oder: den Seher der Schau). (02.69)

In den alle Begierden einmünden wie die Wasser in den Ozean, der, obwohl immer angefüllt, doch stets bewegungslos verharrt, dieser erlangt den Frieden; nicht aber, wer seinen Begierden fröhnt. (02.70)

Wer alle Begierden aufgibt, ohne Verlangen handelt, ohne Selbstsucht und Egoismus ist, dieser erlangt den Frieden. (02.71)

Dies ist, o Pârtha (Arjuna), der göttliche Zustand. Wer ihn erreicht hat, wird nicht (mehr) verwirrt. Wer am Ende (in der Todesstunde) in ihm feststeht, geht in die Seligkeit Gottes (brahmanirvâna) ein. (02.72)

 

Dies ist das zweite Kapitel, genannt: Der Yoga der Erkenntnis.

 

3.  Karmayoga oder die Methode zu Handeln

 

WARUM DANN ÜBERHAUPT HANDELN?

 

Arjuna sagte: enn du meinst, o Janârdana, daß (der Pfad der) Erkenntnis besser ist als (der Pfad der) Handlung, warum drängst du mich dann zu dieser grausamen Tat, o Keśava (Kŗşna)? (03.01)

Mit verwirrter Rede scheinst du meinen Verstand irrezuführen. Teile mir doch ohne Umschweife das eine mit, wodurch ich Heil erlangen kann. (03.02)

 

LEBEN IST HANDELN; GLEICHGÜLTIGKEIT GEGEN DIE FOLGEN

DES HANDELNS IST ERFORDERLICH

 

Der Erhabene sagte: Der zweifache Weg, den es in dieser Welt gibt, o Tadelloser, ist schon vorhin von mir gelehrt worden: der Weg der Erkenntnis fûr die betrachtenden Menschen und der Weg der Werke für die tätigen Menschen. (03.03)

Nicht durch das Unterlassen der Werke erlangt der Mensch Befreiung von den Werken; nicht durch bloßes Entsagen erlangt er Vollkommenheit. (03.04)

Denn kein Lebewesen kann auch nur einen Augenblick verharren, ohne zu handeln. Jeder wird durch die naturentstandenen Impulse, ohne daß er sich dagegen wehren kann, zum Handeln veranlaßt. (03.05)

Wer die Tatsinne bezähmt, aber in seinem Herzen der Sinnesobjekte gedenkt, wessen Natur betört ist, ein solcher wird ein Heuchler genannt. (03.06)

Höher steht hingegen, o Arjuna, wer die Sinne mit dem Geiste zähmt und die Tatsinne ohne Anhänglichkeit auf dem Wege des Handelns einsetzt. (03.07)

 

WICHTIGKEIT DES OPFERS

 

Vollziehe dein dir zustehendes Werk, denn Handeln ist besser als Nichthandeln. Auch die Aufrechterhaltung des physischen Lebens gelingt nicht ohne Handeln. (03.08)

Abgesehen von dem Werk, das als und für ein Opfer getan wird, ist die Welt an die Werke gebunden. Darum befreie dich, o Sohn der Kunti (Arjuna), von aller Anhänglichkeit und vollziehe dein Werk als Opfer. (03.09)

In alter Zeit schuf der Herr der Geschöpfe zusammen mit dem Opfer die Menschen und sprach: Durch dieses werdet ihr euch fortpflanzen, und dieses wird es sein, was euch den Milchtrank eurer Wünsche spenden wird. (03.10)

Fördert damit die Götter, und die Götter mögen euch fördern. So werdet ihr, einander fördernd, das höchste Gut erlangen. (03.11)

Vom Opfer gefördert, werden euch die Götter jene Genüsse schenken, die ihr begehrt. Wer diese Gaben genießt, ohne ihnen zurückzugeben, ist fürwahr ein Dieb. (03.12)

Die Guten, welche die Überreste des Opfers verzehren, werden von allen Sünden erlöst; aber jene Bösen, die für sich allein Nahrung bereiten, sie essen die Sünde. (03.13)

Aus der Nahrung entstehen die Geschöpfe; aus dem Regen entspringt die Nahrung; aus dem Opfer wird der Regen geboren, und das Opfer entsteht aus dem Werke. (03.14)

Wisse, daß der Ursprung des karman (der Art des Opfers) im Brahman (dem Veda) liegt, und das Brahman entspringt im Unvergänglichen. Darum hat das allumfassende Brahman stets im Opfer seinen Mittelpunkt. (03.15)

Wer in dieser Welt das so in Bewegung gesetztz Rad nicht weiterdrehen hilft, ist von böser Natur, sinnlich in seinen Freuden und lebt umsonst, o Pârtha (Arjuna). (03.16)

 

HABE AM SELBST GENUG

 

Aber für den Menschen, der sich allein am Selbst erfreut, am Selbst genug hat, im Selbst Befriedigung findet, gibt es kein Werk mehr, das er tun müßte. (03.17)

So verfolgt er auch nicht die Absicht, durch Handlungen, die er vollbracht hat, und durch handlungen, die er nicht vollbacht hat, irgend etwas in dieser Welt zu gewinnen. Er hängt mit keinem Zweck von allen diesen Dingen ab. (03.18)

Vollbringe darum immer, ohne Anhänglichkeit, die auszuführende Tat, denn durch Handeln ohne Anhänglichkeit gelangt der Mensch zum Höchsten. (03.19)

 

GIB ANDEREN EIN BEISPIEL

 

Gerade durch Werke haben Janaka und andere die Vollendung erreicht. Du sollst auch zum Zwecke der Welterhaltung handeln. (03.20)

Was immer ein großer Mann vollbringt, das vollbringen andere ebensogut. Welchen Maßstab er auch immer setzen mag, die Welt richtet sich darnach. (03.21)

Für mich, o Pârtha (Arjuna), gibt es kein Werk in den drei Welten, das noch zu tun wäre, oder irgend etwas, das erlangt werden müßte und noch nicht erlangt worden ist. Und trotzdem betätige ich mich im Werke. (03.22)

Denn wenn ich mich je im Werke nicht unermüdlich betätigen würde, o Pârtha (Arjuna), die Menschen würden doch allerwärts meinem Wege folgen. (03.23)

Wenn ich aufhören würde zu handeln, würden diese Welten in Trümmer fallen, und ich wäre der Urheber der Unordnung und würde diese Menschen zugrunde richten. (03.24)

Wie die Unwissenden in Anhänglichkeit an das Werk handeln, so sollen auch die Wissenden handeln, o Bhârata (Arjuna), aber nicht in Anhänglichkeit, sondern in dem Verlangen, die Weltordnung aufrecht zu erhalten. (03.25)

Er (jnânin) möge die Gemüter der Unwissenden, die am Werke hangen, nicht verwirren. Der Erleuchtete, der alle Handlungen im Geiste des Yoga vollbringt, möge die anderen (ebenso) zum Werke anleiten. (Siehe 03.29) (03.26)

 

DAS SELBST IST NICHT DER TÄTER

 

Alle Arten von Werken werden durch die Erscheinungsformen der Natur vollzogen; der Mensch, dessen Seele vom Selbstgefühl verwirrt ist, denkt aber: „Ic bin der Täter“. (Siehe 05.09, 13.29, und 14.19) (03.27)

Wer aber, o Starkarmiger (Arjuna), das wahre Wesen der Unterschiedlichkeit (der Seele) von den Erscheinungsformen der natur und ihren Werken kennt, wissend, daß es die Erscheinungsformen sind, die an den Erscheinungsformen wirken, dieser verhaftet sich nicht. (03.28)

Die von den Erscheinungsformen der Natur verwirrt sind, hangen an den von ihnen vollbrachten Werken. Aber niemand, der das Ganze erkannt hat, möge die Unwissenden irre machen, die nur einen Teil erkannt haben. (Siehe 03.26) (03.29)

Übertrage, in vollem Bewußtsein auf das Selbst gestützt, alle diese Werke auf mich, sei frei von Begierde und Selbstsucht und kämpfe , von deinem Fieberwahn erlöst! (03.30)

Auch jene Menschen, welche gläubig und ohne Murren alle Zeit dieser meiner Lehre folgen, werden von (der Bindung durch die) Werke erlöst. (03.31)

Wisse, daß hingegen jene, die meine Lehre gering schätzen und sie nicht befolgen, blind für alle Weisheit, verloren und besinnungslos sind. (03.32)

 

NATUR UND PFICHT

 

Selbst der wissende Mensch handelt in Übereinstimmung mit seiner eigenen Natur. Die Lebewesen folgen ihrer Natur. Was vermag hier Unterdrückung auszurichten? (03.33)

Für jedes Sinnesorgan sind Neigung und Abneigung in bezug auf die Objekte des (betreffenden) Sinnesorgans festgesetzt. Niemand möge unter ihre Gewalt kommen, denn sie sind zwei gefährliche Wegelagerer. (03.34)

Es ist besser, das eigene Gesetz unvollkommen zu erfüllen, als das Gesetz eines anderen vollkommen zu erfüllen. Es ist besser, in (der Erfüllung) des eigenen Gesetzes zu sterben;denn gefährlich ist es, dem Gesetz eines anderen zu folgen. ( Siehe 18.47) (03.35)

 

DER FEIND HEISST BEGIERDE UND ZORN

 

Arjuna sagte: Wodurch, o Vârsneya (Kŗşna), wird nun aber, wie durch eine Kraft, der Mensch angetrieben, selbst gegen seinen Willen Sünden zu begehen? (03.36)

Der Erhabene sagte: Es ist das Begehren, es ist der Zorn, die, alles verschlingend und höchst sündhaft, aus der Erscheinungsform der Leidenschaft entspringen. Wisse, daß er der Feind hier ist! (03.37)

Wie das Feuer vom  Rauche verhült wird, ein Spiegel von Staub, ein Embryo vom Mutterleib umschlossen wird, so ist dies von jenem (nämlich der Leidenschaft) verhüllt. (03.38)

Von diesem unersättlichen Feuer der Begierde, diesem dauernden Feind der Weisen, wird, o Sohn der Kunti (Arjuna), das Wissen verhüllt. (03.39)

Die Sinnesorgane, das Denkorgan und die Vernunft werden sein Sitz genannt. Indem er mittels derselben das Wissen verhüllt, täuscht er die in den Körper eingegangene Seele. (03.40)

Bezähme darum, o bester der Bharatas (Arjuna), von Anfang an deine Sinne und vernichte diesen bösen Zerstörer von Wissen und Unterscheidungsvermögen. (03.41)

Groß sind, so heißt es, die Sinnesorgane: größer als die Sinnesorgane ist das Denkorgan; größer als das Denkorgan ist die Vernunft; aber noch größer als die Vernunft ist er. 03.42)

Erkenne ihn so, der jenseits der Vernunft ist, befestige dein (niederes) Selbst durch das Selbst und schlage so, o Starkarmiger (Arjuna), den schwer besiegbaren Feind in Gestalt der Begierde. (03.43)

 

Dies ist das dritte Kapitel, genannt: Der Yoga der Werke.

 

4.     Der Weg des Erkennens

 

DIE TRADITION DES JNÂNA-YOGA

 

Der Erhabene sagte: Ich habe diesen unvergänglichen Yoga dem Vivasvat verkündet; Vivasvat teilte ihn dem Manu mit und Manu dem Ikşvâku. (04.01)

So von einem zum andern weitergegeben, kannten ihn auch die königlichen Weisen, bis der Yoga im Laufe der langen Zeit, o Feindbedränger (Arjuna), der Welt verloren ging. (04.02)

Diesen selben uralten Yoga habe ich dir heute kundgetan. Denn du bist mein Verehrer und mein Freund. Und dies ist das höchste Geheimnis. (04.03)

Arjuna sagte: Später war deine Geburt und früher war die Geburt des Vivasvat. Wie kann ich da verstehen, daß du ihm diese (Lehre) zu Anfang verkündet hast? (04.04)

 

DIE LEHRE VON DEN AVATARAS

 

Der Erhabene sagte: Zahlreich sind meine vergangenen, Leben, und deine auch, o Arjuna. Ich kenne sie alle, du aber kennst sie nicht, o Geißel der Feinde (Arjuna). (04.05)

Obgleich (ich) ungeboren (bin), und mein Selbst unvergänglich (ist), obgleich (ich) der Herr aller Geschöpfe (bin), so gelange ich doch durch meine Macht (mâyâ) zu (empirischem) Sein, indem ich mich in meiner eigenen Natur festlege. (04.06)

Jedesmal, wenn die Rechtmäßigkeit im Schwinden ist und Unrechtmäßigkeit sich erhebt, lasse ich mein Selbst hervorströmen (fleischwerden). (04.07)

Um die Guten zu beschützen, die Bösen zu vernichten und die Rechtmäßigkeit zu festigen, entstehe ich von Weltalter zu Weltalter. (04.08)

Wer so in Wahrheit meine göttliche Geburt und meine göttlichen Werke kennt, wird nicht wiedergeboren, wenn er seinen Leib verläßt, sondern kommt zu mir, o Arjuna. (04.09)

Befreit von Leidenschaft, Angst und Zorn, in mich versunken, ihre Zuflucht zu mir nehmend, haben viele, von der Askese des Wissens geläutert, meinen Wesenszustand erreicht. (04.10)

Wie sie zu mir kommen, so nehme ich sie auf; überall folgen Menschen meinen Pfade, o Pârtha (Arjuna). (04.11)

Die das Gelingen ihrer Werke auf Erden wünschen, opfern den Göttern (den verschiedenen Formen der einen Gottheit), denn das Gelingen der Werke vollzieht sich in dieser Menschenwelt rasch. (04.12)

 

GOTTES WERKE SIND BEGIERDELOS

 

Ich habe die vierfache Ordnung in Übereinstimmung mit den Bereichen  von Eigenschaft und Werk feschaffen. Wisse, daß ich, obgleich ihr Schöpfer, der Handlung und Veränderung unfähig bin. (Siehe 18.41) (04.13)

 

HANDELN OHNE ANHÄNGLICHKEIT RUFT KEINE BINDUNG HERVOR

 

Werke beflecken mich nicht, auch habe ich kein Verlangen nach ihrer Frucht. Wer mich als solchen kennt, wird von den Werken nicht gebunden. (04.14)

Solches wissend, haben auch die Altvordern, die nach Erlösung suchten, das Werk geübt. Deshalb übe auch du das Werk, wie es die Altvordern in vergangenen Zeiten geübt haben. (04.15)

 

HANDELN UND NICHTHANDELN

 

Was ist Handeln? Was ist Nichthandeln? Selbst Weise sind darüber verwirrt. Ich werde dir erklären, was Handeln ist, das dich, hast du es erkannt, vom Übel erlösen wird. (04.16)

Man muß verstehen, was Handeln ist; man muß verstehen, was falsches Handeln ist; und man muß verstehen, was Nicht-Handeln ist; schwer zu verstehen ist der Weg des Werkes. (04.17)

Wer im Handeln Nicht-Handeln erblickt und Handeln im Nicht-Handeln, der ist ein Weiser unter den Menschen, ein Yogin, ein all sein Werk Vollbringender. (Siehe 3.05, 3.27, 5.08 und 13.29) (04.18)

Wessen Unternehmen frei von verlangenden Wünschen sind, wessen Werke im Feuer der Weisheit verbrennen, ihn nennen die Weisen einen Kundigen. (04.19)

Wer alles Anhängen an die Frucht der Werke aufgegeben hat, immer zufrieden ist, ohne irgendwelche Abhängigkeit, tut nichts, obwohl er sich ständig betätigt. (04.20)

Wer keine Wünsche hat, Herz und Selbst bezähmt, allen Besitz verläßt, nur mit dem Körper handelt, begeht keinen Fehl. (04.21)

Wer sich dem begnügt, was immer der Zufall bringt, wer über die Gegensätze (von Freude und Schmerz) erhaben ist, keinen Neid hat und in Erfolg und Mißerfolg derselbe bleibt, dieser wird nicht gebunden, auch wenn er handelt. (04.22)

 

OFPER UND SYMBOLISCHER WERT DES OPFERS

 

Das Werk jenes Menschen, der sich von seinen Verhaftungen getrennt hat, der erlöst ist, dessen Geist in der Weisheit feststeht, der sein Werk als Opfer vollbringt, löst sich vollkommen auf. (04.23)

Seine Opferhandlung ist Gott, seine Opfergabe ist Gott. Durch Gotte wird sie in das Feuer Gottes geopfert. Gott ist es, was jener erlangen wird, der in seinen Werken auf Gott bedacht ist. (Siehe 9.16) (04.24)

Einige Yogins opfern den Göttern, andere bringen im Feuer des Höchsten durch das Opfer selbst das Opfer dar. (04.25)

Einige opfern das Gehör und die anderen Sinnesorgane in das Feuer der Selbstüberwindung, andere opfern den Laut und die anderen Sinnesobjekte in die Sinnesfeuer. (04.26)

Einige wieder opfern alle Handlungen ihrer Sinne und die Werke ihrer Lebenskraft in das vom Wissen entzündete Feuer des Yoga der Selbstzucht. ( (04.27)

In gleicher Weise opfern einige ihren materiellen Besitz oder ihre Askese oder ihre geistigen Übungen, während andere, die sich bezähmt und strenge Gelübde abgelegt haben, ihr Studium und ihre Kenntnisse opfern. (04.28)

Andere wieder, die auf Atem-Regelung bedacht sind und die Wege des prâna (Aushauch) und apâna (Einhauch) in Schranken halten, gießen des prâna als Opfergabe in den apâna und den apâna in den prâna. (04.29)

Während andere, die ihre Nahrung einschränken, ihre Lebenshauche als Opfergabe in die Lebenshauche gießen. Sie alle sind Kenner des Opfers (wissen, was Opfer ist) und vernichten durch das Opfer ihre Sünden. (04.30)

Diejenigen, welche die vom Opfer übrig bleibende heilige Speise essen, gehen ein in das ewige Absolute. Diese Welt, o bester der Kurus (Arjuna), ist nicht für einen geschaffen, der kein Opfer vollzieht; wieviel weniger irgendeine andere Welt! (Siehe 4.38, und 5.06) (04.31)

So sind viele Arten von Opfern im Antlitz Brahmans ausgebreitet (d.h. hervorgebracht als Mittel, das Absolute zu erreichen). Wisse, daß sie alle aus dem Werke entspringen. Dieses wissend, wirst du erlöst werden. (Siehe 3.14) (04.32)

 

WISSEN UND WERK

 

Das Opfer der Erkenntnis ist größer als jedes materielle Opfer, o Geißel der Feinde (Arjuna). Denn alle Werke gipfeln ohne Ausnahme in der Weisheit. (04.33)

Lerne es durch demütige Verehrung, durch Befragen und Dienen. Die Männer der Weisheit, die die Wahrheit geschaut haben, werden dich im Wissen unterrichten. (04.34)

 

PREIS DER WEISHEIT

 

Wenn du es erkannt hast, wirst du, o Pândava, nicht wieder in diese Verwirrung fallen. Den damit wirst du alle Wesen ohne Ausnahme im Selbst und dann in mir erblicken. (Siehe 6.29, 6.30, 11.07, 11.13) (04.35)

Und solltest du der sündigste aller Sünder sein, so wirst du doch allein mit dem Schiffe der Weisheit alles Übel überqueren. (04.36)

Wie das angezündete Feuer seinen Brennstoff zu Asche macht, so macht, o Arjuna, das Feuer der Weisheit alle Werke zu Asche. (04.37)

Es gibt nichts auf Erden, das an Reinheit mit der Weisheit vergleichbar wäre. Von selbst findet dies mit der Zeit in seinem Selbst, wer sich durch Yoga vervollkommt. (Siehe 4.31, und 5.06, 18.78). (04.38)

 

ZUR WEISHEIT IST GLAUBE NOTWENDUNG

 

Wer Glauben hat, wer in sie (d.h.die Weisheit) vertieft ist und seine Sinne im Zaume hält, gewinnt Weisheit. Und hat er Weisheit gewonnen, so gelangt er rasch in den höchsten Frieden. (04.39)

Aber der Unwissende, der keinen Glauben hat, der zu Zweifeln neigt, geht zugrunde. Für die zweifelnde Seele gibt es weder diese Welt, noch die jenseitige Welt, noch irgendeine Glückseligkeit. (04.40)

Die Werke binden jenen nicht, der durch den Yoga allen Werken entsagt, der durch die Weisheit jeden Zweifel vernichtet hat und, o Schätzegewinner (Arjuna), für immer im Besitze seines Selbst ist. (04.41)

Zerschneide darum mit dem Schwert der Weisheit diesen aus Unwissenheit geborenen Zweifel in deinem Herzen, mache dich an den Yoga und erhebe dich, o Bhârata (Arjuna)! (04.42)

 

Das ist das vierte Kapitel, genannt: Der Yoga der göttlichen Erkenntnis.

 

5.     Die Rechte Entsagung

 

SAMKHYA UND YOGA FÜHREN ZUM SELBEN ZIEL

 

Arjuna sagte: Du rühmst, o Kŗşna, den Verzicht auf die Werke und wiederum das selbstlose Ausführen derselben. Sage mir mit Bestimmtheit, welches von diesen beiden das bessere ist. (Siehe also 5.05) (05.01)

Der Erhabene sagte: Der Verzicht auf die Werke und das uneigennützige Verrichten derselben, beide führen zur Erlösung der Seele. Aber von diesen beiden ist das uneigennützige Verrichten der Werke besser als der Verzicht auf sie. (05.02)

Wer weder Abneigung noch Begierden hat, ist als einer zu erkennen, der beständig den Geist der Entsagung besitzt; er, der ohne Gegensätze ist, o Stark-Armiger (Arjuna), wird mühelos von der Bindung erlöst. (05.03)

Die Unwissenden sprechen von der Entsagung (Sâmkhya) und der Werkbetätigung (Yoga) als von zwei verschiedenen Dingen, nicht aber der Weise. Wer eines davon gut betreibt, erlangt die Frucht beider. (05.04)

Der Stand, den die Entsagenden erlangen, wird auch von den Handelnden erreicht. Wer sieht, daß der Weg der Entsagung und der des Handelns eins sind, dieser sieht (in Wahrheit). (Siehe 6.01 und 6.02) (05.05)

Ohne Yoga, o Starkarmiger (Arjuna), ist die Entsagung aber schwer zu erlangen; der Weise, der sich des Yoga (des Weges der Werke) befleißigt, erlangt das Absolute bald. (Siehe also 4.31, und 4.38) (05.06)

Wer sich am Weg der Werke geübt hat, eine lautere Seele besitzt, Herr seines Selbst ist und seine Sinne bezähmt hat, dessen Seele zum Selbst aller Wesen wird, dieser wird von den Werken nicht befleckt, obgleich er wirkt. (05.07)

Der mit dem Göttlichen vereinte und die Wahrheit wissende Mensch denkt: „Ich tue gar nichts“, denn wenn er sieht, hört, fühlt, riecht, schmeckt, geht, schläft, atmet; wenn er spricht, ausscheidet, ergreift, die Augen öffnet und schließt, weiß er wohl, daß nur die Sinne mit den Sinnesobjekten beschäftigt sind. (Siehe 3.27, 13.29, und 14.19) (05.08-09)

Wer, nachdem er alle Anhänlichkeit aufgegeben hat, so handelt, daß er alle seine Handlungen Gott weiht, wird von keiner Sünde berührt, wie ein Lotusblatt vom Wasser (unberührt bleibt). (05.10)

Die Yogins (Tatmenschen) verrichten die Werke nur mit dem Körper, dem Geiste, dem Verstand oder nur mit den Sinnesorganen, indem sie zur Läuterung ihrer Seele alle Anhänlichkeit aufgeben. (05.11)

Die ernste (oder fromme) Seele erlangt den wohlgegründeten Frieden, indem sie die Anhänglichkeit an die Früchte der Werke aufgibt; aber derjenige, dessen Seele mit dem Göttlichen nicht vereint ist, wird von Begierde getrieben, hängt an der frucht (des handelns) und wird darum gebunden. (05.12)

 

DAS ERLEUCHTETE SELBST

 

Die in den Körper eingegangene (Seele), die ihre Natur bezähmt, indem sie durch den Geist (innerlich) allen Werken entsagt, wohnt behaglich in der Stadt der neun Tore, weder handelnd noch handeln lassend. (05.13)

Das  höchste Selbst schafft den Menschen keine Tätigkeit, noch ist es selbst tätig, noch verknüpft es die Werke mit ihren Früchten. Es ist die eigene Natur, die diesse hervorbringt. (05.14)

Der alldurchdringende Geist nimmt sich weder der Sünde noch der Verdienste irgendeines Menschen an. Die Weisheit wird von Unwissenheit verhüllt; dadurch werden die Geschöpfe verwirrt. (05.15)

Jenen aber, in denen die Unwissenheit durch Weisheit vernichtet wird, erhellt die Weisheit wie eine Sonne das höchste Selbst. (05.16)

Die dieses denken, diesem ihr ganzes, bewußtes Sein zuleiten, dieses zu ihrem einzigen Ziel machen, zum alleinigen Objekt ihrer Hingabe, erreichen einen Zustand, von dem es keine Wiederkehr gibt. Weisheit wäscht ihre Sünden weg. (05.17)

Mit gleichem Auge blicken die Weisen auf einen gelehrten und demütigen Brahmanen, auf eine Kuh, einen Elefanten, ja sogar auf einen Hund und einen Kastenlosen. (Siehe 6.29) (05.18)

Selbst hier (auf Erden) wird die geschaffene (Welt) von jenen besiegt, deren Sinn im Gleichmut feststeht. Gott ist ohne Fehler und derselbe in allem. Darum stehen diese (Menschen) in Gott fest. (Siehe 18.55) (05.19)

Man soll sich nicht freuen, wenn man Liebes erlangt, man soll nicht trauern, wenn man Unliebes erlangt. Wer festen Verstandes ist und unbeirrt, solch ein Kenner Gottes steht fest in Gott. (05.20)

Wenn die Seele nicht mehr an äußeren Berührungen (Objekten) haftet, findet man jenes Glück, das im Selbst ist. Solch einer, der sich im auf Gott (Brahma) gerichteten Yoga beherrscht, genießt unvergängliche Wonne. (05.21)

Welche Freuden auch immer aus den Berührungen (mit den Objekten) entspringen, sie alle sind eine Quelle des Leidens, sie haben einen Anfang und ein Ende, o Sohn der Kunti (Arjuna). Kein Weiser erfreut sich ihrer. (Siehe18.38) (05.22)

Wer, bevor er seinen Körper aufgibt, dem Ansturm von Begierde und Zorn widerstehen kann, ist ein Yogin, ist ein glücklicher Mann. (05.23)

 

FRIEDE VON INNEN HER

 

Der das Glück in sich findet, seine Freude in sich findet und ebenso sein Licht nur in sich findet, dieser Yogin wird göttlich und gelangt zur Seligkeit Gottes (brahmanirvâna). (05.24)

Die heiligen Männer, deren Sünden getilgt, deren Zweifel (Gegensätze) vernichtet, deren Sinne bezähmt sind und die sich daran erfreuen, allen Menschen Gutes (zu tun), gelangen zur Seligkeit Gottes. (05.25)

Diesen beherrschten Seelen (yati), die von Begierde und Zorn befreit sind, ihre Sinne im Zaume halten und Kenntnis des Selbst besitzen, liegt die Seligkeit Gottes ganz nahe. (05.26)

Der Weise, der alle äußeren Objekte ausschließt, den Blick zwischen die Augenbrauen richtet, die durch die Nasenlöcher ziehenden Ein- und Aushauche gleichmacht, der Sinne, Geist und Verstand bezähmt hat, auf Erlösung bedacht ist und Begierde, Furcht und Zorn abgelegt hat, ist für immer befreit. (05.27-28)

Der Weise, der mich als den Genießer der Opfer und Kasteiungen, den großen Herrn aller Welten, den Freund aller Wesen erkannt hat, geht in den Frieden ein. (05.29)

 

Dies ist das fünfte Kapitel, genannt: Yoga der Werkentsagung.

 

6.     Der Wahre Yoga

 

ENTSAGEN UND HANDELN SIND EINS

 

Der Erhabene sagte: Wer das ihm obliegende Werk verrichtet, ohne nach dessen Lohn zi suchen, ist ein Samnyasin, ist ein Yogin; night aber, wer das heilige Feuer nicht anzünder und keine Riten vollzieht. (06.01)

Wisse, o Pândava (Arjuna), daß das, was man samnyâsa nennt, Aktivität ist, die gebändigt wird; denn keiner wird ein Yogin, der nicht seinen (selbstsüchtigen) Zielen entsagt hat.(Siehe BG 5.01, 5.05, 6.01, und 18.02)  (06.02)

Das Werk wird als das Mittel des Weisen bezeichnet, der den Yoga zu erreichen wünscht. Hat er den Yoga erreicht, so wird Ruhe als das Mittel bezeichnet. (06.03)

Wenn einer nicht mehr an den Sinnesobjekten oder den Werken hängt und allen Vorsätzen entsagt hat, dann wird er einer genannt, der den Yoga erlangt hat. (06.04)

Durch sich selbst erhebe der Mensch sich selbst. Nicht erniedrige er sich selbst; denn das Selbst ist der Freund des Selbst, und das Selbst allein ist der Feind des Selbst. (06.05)

Wer sein (niederes) Selbst durch das (höhere) Selbst besiegt hat, hat in seinem Selbst einen Freund. Wer aber nicht im Besitz seines (höheren) Selbst ist, dessen Selbst wird wie ein Feind in Feindschaft handeln. (06.06)

Wer sein (niederes) Selbst besiegt hat und zur Ruhe der Selbstbeherrschung gelangt ist, dessen Selbst verharrt gesammelt; er hat Frieden in Kälte und Hitze, in Freude und Schmerz, in Ehre und Schmach. (06.07)

Der Asket (Yogin), dessen Seele an Weisheit und Wissen Genüge findet, der unwandelbar und Herr seiner Sinne ist, dem ein Erdklumpen, ein Stein und ein Stück Goldes dasselbe bedeuten, wird bezähmt (im Yoga) genannt. (06.08)

Es zeichnet sich aus, wer gleichgesinnt ist gegenüber Freunden, Gefährten und Feinden, gegenüber neutralen und unparteiischen Menschen, gegenüber Widersachern und Verwandten, Heiligen und Sündern. (06.09)

 

WESENTLICH IST DAUERNDE WACHSAMKEIT ÜBER

KÖRPER UND GEIST

 

Der Yogin muß versuchen, seinen Geist beständig (auf das höchste Selbst) zu richten, in der Einsamkeit verharrend, allein, selbstgebändigt, frei von Begierden und (dem Verlangen nach) Besitztümern. (06.10)

Er errichte sich an einem reinem Platze einen festen Sitz, weder zu hoch noch zu niedrig, übereinander mit heiligem Grase, einem Fell und einem Tuche bedekt. (06.11)

Er lasse sich auf diesem Sitze nieder, richte seinen Geist auf einen Punkt, bezähme des Denken und die Sinne, und übe so, zur Läuterung der Seele, den Yoga. (06.12)

Körper, Haupt und Hals aufrecht und unbeweglich haltend, den Blick beständig auf die Nasenspitze richtend, ohne herumzuschauen (ohne seine Blicke schweifen zu lassen), heiter und furchtlos, fest im Gelübde der Enthaltsamkeit, dem Geist bezähmend, möge er dasitzen, seinen Geist auf mich gerichtet, ausgeglichen, auf mich allein bedacht. (Siehe BP 4.29, 5.27, 8.10, und 8.12) (06.13-14)

Der Yogin, der seinen Sinn bezähmt, sich immer auf solche Weise in Einklang hält, geht in den Frienden, in das in mir befindliche höchste nirvāna ein. (06.15)

Der Yoga, wahrlich, ist nicht für einen bestimmt, der zuviel ißt, oder sich des Essens zu sehr enthält. Er ist, o Arjuna, auch nicht für jenen da, der zuviel schläft oder zuviel wacht. (06.16)

Wer in Ernährung und Vergnügungen mäßig ist, in seinen Handlungen Zurückhaltung übt und Schaf und Wachen regelt, dem wird der alle Leiden tilgende Yoga zuteil. (06.17)

 

DER VOLLKOMMENE YOGIN

 

Wenn der von allen Begierden erlöste, gebändigte Geist einzig im Selbst fest gegründet ist, wird er (durch Yoga) ausgeglichen genannt. (06.18)

Eine Lampe an einem windstillen Orte flackert nicht. Mit ihr wird der Yogin verglichen, der sein Denken bezähmt hält und die Vereinigung mit dem höchsten Selbst (oder Selbstzucht) übt. (06.19)

Dieses, worin das Denken ruht, das durch Versenkungsübung zurückgedrängt its, worin er das Selbst mit dem Selbst schaut und sich am Selbst erfreut; (06.20)

Worin er dieses höchste Entzücken findet, das durch den Verstand wahrnehmbare, jenseits aller Sinnesbereiche liegende, worin gegründet er nicht mehr von der Wahrheit abweicht; (06.21)

Dieses, welches er für einen nicht mehr zu übertreffenden Gewinn hält, sobald er es gewonnen hat, worin gegründet er selbst vom schwersten Leide nicht erschüttert wird; (06.22)

Dieses möge man unter dem Namen Yoga erkennen, die Loslösung aus der Verbundenheit mit dem Leiden. Mit Entschlossenheit und unverdrossenem Gemüte übe man diesen Yoga. (06.23)

Indem er ausnahmslos alle aus dem (selbstsüchtigen) Wollen entspringenden Begierden aufgibt, die Schar der Sinne mit dem Geiste auf allen Seiten zurückhält; (06.24)

Möge er mittels des in Standhaftigheit gezügelten Verstandes allmählich zur Ruhe kommen und, nachdem er den Geist auf das Selbst gerichtet hat, an nichts anderes (mehr) denken. (06.25)

Was immer den schwankenden, unbeständigen Geist herumschweifen läßt, möge er zurückdrängen und der alleinigen Lenkung des Selbst unterwerfen. (06.26)

Denn dem Yogin, dessen Geist friedvoll ist, dessen Leidenschaften gestillt sind, der fleckenlos und mit Gott eins geworden ist, wird höchste Wonne zuteil. (06.27)

Idem er auf diese Weise das Selbst in Einklang bringt, erfährt der Yogin, der die Sünde abgelegt hat, mühelos die unendliche Wonne der Berührung mit dem Ewigen. (06.28)

Er, dessen Selbst durch Yoga in Einklang gebracht ist, sieht das Selbst in allen Wesen wohnen und alle Wesen im Selbst; überall sieht er dasselbe. (Siehe 4.35, 5.18) (06.29)

Wer mich überall sieht und alles in mir sieht, dem gehe ich nicht verloren, noch geht er mir verloren. (06.30)

Der Yogin, der in der Einheit feststeht und mich als in allen Wesen wohnend verehrt, lebt in mir, auf welche Weise er auch immer tätig sein mag. (06.31)

Wer, o Arjuna, mit Gleichmut alles im Bilde seines eigenen Selbst sieht, sei es in Freuden, sei es in Leiden, dieser wird als ein vollkommener Yogin betrachtet. (06.32)

 

SINNEBEZÄHMUNG IST SCHWIERIG, ABER MÖGLICH

 

Arjuna sagte: Für diesen Yoga, o Madhusūdana (Kŗşna), von dem du erklärt hast, daß er in Gleichheit (Gleichmut) bestehe, sehe ich ob der Wankelmütigkeit keinen festen Grund. (06.33)

Denn sehr wankelmütig ist der Geist, o Kŗşna, stürmisch, stark und hartnäckig. Mir scheint, daß er ebenso schwer zu bändigen ist wie der Wind. (06.34)

Der Erhabene sagte: O Starkarmiger (Arjuna), ohne Zweifel ist der Geist schwer zu zügeln und ruhelos; doch kann er, o Sohn der Kunti (Arjuna), durch beständige Übung und Nicht-Anhänglichkeit bezähmt werden. (06.35)

Wer nicht selbstgezügelt ist, von dem ist der Yoga schwer erlangbar, das meine ich auch. Er kann aber von demjenigen erlangt werden, der selbstgezügelt ist und sich mit rechtenMitteln müht. (06.36)

Arjuna sagte: Wer, obschon gläubig, sich nicht bezähmen kann und, indem sein Geist vom Yoga abschweift, die Vollendung im Yoga nicht erreicht, welchen Weg geht ein solcher, o Kŗşna? (06.37)

Geht er nicht, o Starkarmiger (Kŗşna), wie eine zerfetzte Wolke zugrunde, aus beiden herabgesunken, ohne Halt, verwirrt über den Pfad, der zum Ewigen führt? (06.38)

Du, o Kŗşna, mußt mir diesen Zweifel vollkommen zerstreuen; denn es gibt keinen anderen als dich, der diesen Zweifel vernichten kann. (Siehe 15.15) (06.39)

Der Erhabene sprach: O Pârtha (Arjuna), ein solcher Mensch erleidet keinen Untergang, weder in diesem Leben noch hernach; denn nie, mein Freund, betritt einer, der Gutes tut, den Pfad des Elends. (06.40)

Ein Mann, der vom Yoga abgefallen ist, wird, nachdem er in die Welt der Rechtschaffenen gelangt ist und hier sehr viele Jahre geweilt hat, im Hause reiner und glücklicher Menschen wiedergeboren werden. (06.41)

Oder er mag in einer Familie weisheitsvoller Yogins wiedergeboren werden. Denn eine solche Geburt ist hier auf Erden noch schwerer zu erlangen. (06.42)

Hier gewinnt er die (geistigen) Eindrücke (der Vereinigung mit dem Göttlichen) wieder, die er in seinem früheren Leben entwickelt hatte. Und damit (als seinem Ausgangspunkt) strebt er, o Freude der Kurus (Arjuna), aufs neue nach Vollendung. (06.43)

Durch seine frühere Übung wird er unwiderstehlich weitergetragen. Auch der nach dem Yoga-Wissen Suchende geht über die vedische Vorschrift hinaus. (06.44)

Der Yogin aber, der, von allen Sünden gereinigt, in vielen Lebensläufen sich vollendend, mit Eifer strebt, erreicht sodann das höchste Ziel. (06.45)

Der Yogin ist größer als die Asketen; er wird für größer gehalten als die Erkennenden, größer als diejenigen, die rituelle Handlungen vollziehen; werde darum ein Yogin, o Arjuna! (06.46)

Und von allen Yogins halte ich den, der mich gläubig verehrt, mit seinem inneren Selbst in mir wohnt, für den (mir im Yoga) am meisten verbundenen. (Siehe 12.02 und 18.66) (06.47)

 

Dies ist der sechste Abschnitt, genannt: der wahre Yoga.

 

7. Gott und die Welt

 

GOTT IST NATUR UND GEIST

 

Der Erhabene sagte: höre nun, o Pârtha (Arjuna), wie du mich ganz und ohne Zweifel erkennen wirst, indem du Yoga übst, deinen Geist an mich hängst, lich zur Zuflucht nimmst. (07.01)

Ich will dir diese Weisheit vollständig mitteilen zusammen mit dem Wissen, nach dessen Erkenntnis hier nichts mehr zu erkennen übrig bleibt. (07.02)

Unter tausend Menschen strebt kaum einer nach Vollendung, und von denen, die darnach streben und Erfolg haben, kennt mich kaum einer wirklich. (07.03)

 

DIE ZWEI NATUREN GOTTES

 

Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Geist, Verstand und Selbst-Sinn: dies ist meine achtfach geteilte Natur. (Siehe 13.05) (07.04)

Dies ist meine niedere Natur. Kenne, o Starkarmiger (Arjuna), auch meine andere und höhere Natur, die Seele, durch welche diese Welt getragen wird. (07.05)

Wisse, daß alle Wesen darin geboren werden. Ich bin der Ursprung dieser ganzen Welt und bin ihre Auflösung. (Siehe 13.26) (07.06)

Nichts gibt es jemals, o Schätzegewinner (Arjuna), das höher wäre als ich. Wie Edelsteinreihen auf einer Schnur ist alles hienieden auf mich aufgereiht. (07.07)

Ich bin der Geschmack in den Wassern, o Sohn der Kunti (Arjuna), ich bin das Licht in Mond und Sonne. Ich bin die Silbe Om in allen Veden; ich bin der Ton im Äther und bin das Mannestum im Manne. (07.08)

Ich bin der reine Geruch der Erde und der Schein im Feuer. Ich bin das Leben in allen Wesen und bin die Askese in den Asketen. (07.09)

Wisse, o Pârtha (Arjuna), daß ich der ewige Same aller Wesen bin. Ich bin der Verstand der Verständigen, ich bin der Glanz der Glanzreichen. Siehe 9.18 und 10.39). (07.10)

Ich bin die Stärke der Starken, ohne Begierde und Leidenschaft. Ich bin, o Herr der Bharatas (Arjuna), in den Wesen die Begierde, welche mit dem Gesetze nicht im Widerspruch steht. (07.11)

Und was es auch immer für Zustände geben mag, seien sie ausgeglichen (sâttvika), leidenschaftlich (râjasa) oder trâge (tâmasa), wisse, daß sie alle nur von mir herrühen. Ich bin nicht in ihnen, sie sind in mir. (Siehe 9.04 und 9.05) (07.12)

 

DIE ERSCHEINUNGSFORMEN DER NATUR VERWIRREN DIE MENSCHEN

 

Durch diese dreifachen Erscheinungsformen der Natur (gunas) wird dieze ganze Welt getäuscht und erkennt mich nicht, der ich über ihnen stehe und unvergänglich bin. (07.13)

Diese meine göttliche mâyâ, die aus den Erscheinungsformen besteht, ist schwer zu überwinden. Diejenigen aber, die zu mir ihre Zuflucht nehmen, schreiten über sie hinaus. (Siehe 14.26, 15.19, und 18.66) (07.14)

 

DER ZUSTAND DER ÜBELTÄTER

 

Die Übeltäter, die törichten, auf niedriger menschlicher Stufe stehenden, deren Verstand von der Täuschung fortgerissen wird, und die an der Natur der Dämonen teilhaben, suchen keine Zuflucht bei mir. (07.15)

 

VERSCHIEDENE ARTEN DER VEREHRUNG

 

Die Tugendvollen, die mich verehren, sind, o Herr der Bharatas (Arjuna), von vierfacher Art: der Bedrängte, der Wahrheitssucher, der Güterbegehrende und der Weisheitssucher. (07.16)

Von diesen ist der Weise, der sich in ständiger Vereinigung mit dem Göttlichen befindet, dessen Hingabe nur auf eines gerichtet ist, der vorzüglichste. Denn ich bin ihm außerordentlich teuer, und er ist mir teuer. (07.17)

Fürwahr, edel sind sie alle, aber der Weise ist mein Selbst, so meine ich. Er ist vollkommen ausgeglichen und nimmt zu mir als dem höchsten Ziele seine Zuflucht. (Siehe 9.29) (07.18)

Am Ende vieler Leben geht der Weisheitsvolle zu mir ein, wissend, daß Vâsudeva (der höchste Gott) alles ist. Solch eine große Seele ist schwer zu finden. (07.19)

 

GROSSMUT

 

Diejenigen aber, deren Geist von Begierden fortgerissen wird, nehmen zu anderen Göttern ihre Zuflucht, indem sie, durch ihre eigene Natur gezwungen, verschiedene Riten vollziehen. (07.20)

Welche Gestalt auch immer ein sich fromm Hingebender gläubig zu verehren wünscht, ich befestige diesen seinen Glauben. (07.21)

Mit diesem Glauben ausgestattet, sucht er eine solche Gestalt sich geneigt zu machen, und von ihr erlangt er seine Wünsche, die Wohltaten, die nur von mir allein verfügt werden. (07.22)

Zeitgebunden aber ist die Frucht, die diese geistig beschränkten Menschen gewinnen. Die die Götter verehren, gehen zu den Göttern; wer sich mir hingibt, kommt jedoch zu mir. (07.23)

 

DIE MACHT DER UNWISSENHEIT

 

Menschen ohne Verstand stellen sich mich, der unentfaltet ist, als entfaltet vor; sie kennen nicht meine höhere Natur, die unveränderliche und erhabenste. (07.24)

Von meiner Schöpferkraft (yogamâyâ) verhüllt, bin ich nicht allen sichtbar. Diese betörte Welt kennt mich nicht, der ich ungeborenen und unveränderlich bin. (07.25)

Ich kenne die vergangenen Wesen, die gegenwärtigen, o Arjuna, und die zukünftigen; mich aber kennt keiner. (07.26)

Alle Wesen, o Bhârata (Arjuna), sind zur Verblendung geboren. Sie werden, o Feindbedränger (Arjuna), von den aus Begierde und Haß entspringenden Gegensätzen überwältigt. (07.27)

 

DAS OBJEKT DER ERKENNTNIS

 

Aber jene Menschen, die tugendvolle Taten vollbringen, in denen die Sünde zu Ende gekommen ist (die der Sünde abgestorben sind), sie, die vom Trug der Gegensätze befreit sind, verehren mich standhaft in ihren Gelübden. (07.28)

Die ihre Zuflucht bei mir nehmen und nach Befreiung von Alter und Tod trachten, sie kennen das Brahman (oder das Absolute) ganz, (sie kennen) das Selbst und alle Werke. (07.29)

Die mich als den einen kennen, der die materiellen und göttlichen Aspekte lenkt und alle Opfer, sie, deren Sinn in Einklang gebracht ist, erkennen mich auch in der Stunde ihres Abscheidens (von hier). (07.30)

 

Dies ist das siebente Kapitel, genannt: Der Yoga der Weisheit und der Erkenntnis.

 

8.  DER GANG DER KOSMISCHENENTWICKLUNG

 

ARJUNA FRAGT

 

Arjuna sagte: Was ist das Brahman (das Absolute)? Was ist das Selbst, und was ist das Handeln, o bester aller Männer? Was heißt Bereich der Elemente? Was heißt Bereich der Götter? (08.01)

Was ist der Bereich (Teil) des Opfers in diesem Körper, und wie beschaffen, o Madhusûdana (Kŗşna)? Und wie kannst du von den Selbstbezähmten in der Stunde ihres Hinscheidens erkannt werden? (08.02)

 

KRSNA ANTWORTET

 

Der Erhabene sagte: Das Brahman (oder das Absolute) ist unzerstörbar, das Höchste (höher als alles andere). Das Selbst wird Wesensnatur genannt, und karman ist der Name, der der schöpferischen Kraft gegeben wird, die alle Wesen ins Dasein führt. (08.03)

Die Grundlage aller erschaffenen Dinge ist die veränderliche Natur. Die Grundlage der göttlichen Elemente ist der kosmische Geist. Und die Grundlage aller Opfer, o bester aller Verköperten (Arjuna), bin ich selbst in diesem Körper hier. (08.04)

 

DIE SEELE WANDERT DORTHIN, WORAUF SIE IM ZEITPUNKT

DER AUFLÖSUNG GERICHTET IST

 

Und wer auch immer, nur meiner gedenkend, in der Stunde des Todes seinen Körper aufgibt und hinscheidet, der gelangt in meinen Wesenszustand. Darüber gibt es keinen Zweifel. (08.05)

An welchen (Seins) zustand er auch immer denken mag, wenn er am Ende seinen Körper aufgibt, dieses Sein erlangt er, o Sohn der Kunti (Arjuna), wenn er ständig in Gedanken darein versunken ist. (08.06)

Darum denke zu allen Zeiten an mich und kämpfe. Wenn dein Denken und dein Verstand auf mich gerichtet sind, wirst du ohne Zweifel zu mir gelangen. (08.07)

Wer mit einem Geiste, der durch andauerndes Üben befähigt worden ist und nicht nach anderem ausschweift, über den höchsten puruşa  nachdenkt, der, o Pârtha (Arjuna), gelangt zum höchsten, göttlichen puruşa. (08.08)

Wer über den Seher nachdenkt, den alten, den Gebieter, den Feineren als das Feinste, den Träger des Alls, dessen Gestalt unausdenkbar ist, den Sonnenfarbenen, jenseits der Finsternis. (08.09)

Wer in der Stunde seines Hinscheidens so verfährt, mit einem standhaften Geiste, in Hingabe und Yoga-Stärke, und seine Lebenskraft richtig inmitten der beiden Augenbrauen festsetzt, der gelangt zum höchsten göttmichen puruşa. (Siehe 04.29, 05.27, 06.13) (08.10)

Ich werde dir kurz den Zustand beschreiben, den dieVeda-Kenner den unvergänglichen nennen, in den die von Leidenschaft befreiten Asketen eingehen, und nach welchem verlangend sie ein Leben der Selbstzucht führen. (08.11)

Wer, indem er alle Tore des Körpers geschlossen hält, den Geist im Herzen zurückhält, seine Lebenskraft im Haupte festsetzt und Yoga-Betrachtung unternimmt, (08.12)

Wer die einzige Silbe OM, (die das) Brahman (ist), ausspricht und meiner gedenkt, wenn er seinen Leib verlassend hingeht, dieser gelangt zum höchsten Ziel. (08.13)

Wer beständig über mich nachdenkt und nichts anderes im Sinne hat, von einem solchen immer bezähmten (oder: mit dem Allerhöchsten vereinten) Yogin bin ich, o Pârtha (Arjuna), leicht erreichbar. (08.14)

Nachdem sie zu mir gekommen sind, gehen diese großen Seelen nicht zur Wiedergeburt, der vergänlichen Stätte der Sorge, zurück. Denn sie haben die höchste Vollendung erlangt. (08.15)

Alle Welten, vom Bereich des Brahman angefangen, sind der Wiedergeburt unterworfen. Erreicht man aber mich, o Sohn der Kunti (Arjuna), so gibt es keine Rückkehr zu neuer Geburt. (Siehe 09.25) (08.16)

Wer weiß, daß der Tag des Brahman die Dauer von tausend Weltaltern hat und daß die Nacht (des Brahman) tausend Weltalter umfaßt, ist ein Kenner des Tages und der Nacht. (08.17)

Bei Tagesanbruch kommen alle offenbaren Dinge aus dem Unentfalteten hervor, und bei Hereinbruch der Nacht zergehen sie in diesem selben, das das Unentfaltete heißt. (08.18)

Dieselbe Vielzahl von Lebewesen, o Pârtha (Arjuna), die immer aufs neue entsteht, zergeht unabhelflich, wenn die Nacht hereinbricht, und gelangt zu neuem Dasein, wenn der Tag beginnt. (08.19)

Aber jenseits dieses Unentfalteten gibt es noch ein anderes unentfaltetes ewiges Wesen, welches nicht zugrunde geht, wenn alle Wesen zugrunde gehen. (08.20)

Dieses Unentfaltete wird das Unvergängliche genannt. Man spricht von ihm als dem höchsten Zustand. Die es erreichen, kehren nicht zurück. Es ist meine höchste Wohnstätte. (08.21)

Dies ist, o Pârtha (Arjuna), der höchste puruşa, in welchem alle Wesen wohnen, von dem all dies durchdrungen ist und (welcher) durch standhafte Hingabe gewonnen werden kann. (08.22)

 

ZWEI WEGE

 

Nun will ich dir, o bester der Bharatas (Arjuna), erklären, zu welcher Zeit die Yogins hinscheidend nimmer wiederkehren, und auch jene Zeit, in welcher sie hinscheidend wiederkehren. (08.23)

Das Feuer, das Licht, der Tag, die helle (Monatshälfte), die sechs Monate des nördlichen Weges (der Sonne): hier fortschreitend gehen die Menschen, die das Absolute kennen, in das Absolute ein. (08.24)

Der Rauch, die Nacht, und auch die dunkle (Monatshälfte), die sechs Monate des südlichen Weges (der Sonne): hier fortschreitend erlangt der Yogin das Mondlicht und kehrt zurück. (08.25)

Licht und Dunkelheit, diese Pfade gelten als der Welt ewige (Pfade). Auf dem einen geht man zur Nichtwiederkehr, auf dem anderen kehrt man zurück. (08.26)

Niemals, o Pârtha (Arjuna), gerät der Yogin, der diese beiden Pfade kennt, in Verblendung. Ei darum zu allen Zeiten stark im Yoga, o Arjuna. (08.27)

Da er dies alles erkannt hat, geht der Yogin über die Früchte verdienstvoller Taten hinaus, die dem Veda-Studium, den Opfern, Kasteiungen und Schenkungen zugeschrieben werden, und gelangt zur höchsten, uranfänglichen Stätte. (08.28)

 

Dies ist das achte Kapitel, genannt: Der Yoga des unvergänglichen Absoluten.

 

9.  DER HERR IST MEHR ALS SEINE SCHÖPFUNG

 

DAS OBERSTE GEHEIMNIS

 

Der Erhabene sagte: Dir, der du nicht unwillig murrst, will ich dieses tiefe mit Wissen versehene Weisheitsgeheimnis erklären, durch dessen Erkenntnis du vom Übel erlöst werden wirst. (09.01)

Dies ist das erhabenste Geheimnis, das erhabenste Wissen, die höchste Heiligkeit, durch unmittelbare Erfahrung erkannt, mit dem Gesetz überreinstimmend, leicht auszuführen und unvergänglich. (09.02)

Die Menschen, die an diesen Pfad nicht glauben, gelangen nicht zu mir und kehren, o Feindbedränger (Arjuna), auf den Pfad des sterblichen Daseins (samsâra) zurück. (09.03)

 

DER FLEISCHGEWORDENEN HERR ALS HÖCHSTE WIRKLICHKEIT

 

Dieses ganze All ist von mir in meiner unentfalteten Gestalt durchdrungen. Alle Wesen wohnen in mir, aber ich wohne nicht in ihnen. (Siehe 7.12) (09.04)

Und (doch) wohnen die Wesen nicht in mir; siehe mein göttliches Geheimnis. Mein Geist, der der Ursprung aller Wesen ist, erhält die Wesen, wohnt aber nicht in ihnen. (09.05)

Wisse, daß in derselben Weise wie die überalhin sich bewegende, mächtige Luft beständig im Ätherraum (âkâśa) wohnt, alle Wesen in mir wohnen. (09.06)

Alle Wesen, o Sohn der Kunti (Arjuna), gehen am Ende der Weltperiode in meine Natur ein. Und am Beginn der (nächsten) Weltperiode bringe ich sie wieder hervor. (Siehe 8.17) (09.07)

Auf meine eigene Natur gestützt, bringe ich wieder und wieder dieze ganze Vielheit von Wesen hervor, welche hilflos und der Gewalt der Natur (prakrti) ausgeliefert sind. (09.08)

Und doch binden mich diese Werke nicht, o Schätzegewinner (Arjuna). Denn ich sitze gleichsam unbeteiligt da und verhafte mich nicht an diese Handlungen. (09.09)

Unter meiner Leitung bringt die Natur (prakrti) alle Dinge, bewegliche und unbewegliche, hervor, und hierdurch, o Sohn der Kunti (Arjuna), bleicht die Welt in Umlauf. (Siehe 14.03) (09.10)

 

HINGABE AN DEN ALLERHÖCHSTEN BRINGT GROSSEN LOHN;

GERINGERE HINGABE BRINGT GERINGEREN LOHN

 

Die Verblendeten verachten mich, der ich in einen menschlichen Körper gekleidet bin, und kennen nicht meine höhere Natur als Her aller Wesen (09.11)

Sie nehmen an der trügerischen Natur der Feinde und der Dämonen teil, ihre Hoffnungen, ihre Handlungen und ihr Wissen sind vergeblich, und sie haben keine Urteilskraft. (09.12)

Die Großherzigen, o Pârtha (Arjuna), die in der göttlichen Natur verweilen und (mich als) den unvergänglichen Ursprung aller Wesen kennen, verehren mich mit gesammeltem Geiste. (09.13)

Immerdar bezähmt, verehren sie mich, indem sie mich verherrlichen, eifrig und standhaft in den Gelübden sind, sich hingebungsvoll vor mir verneigen. (09.14)

Andere wieder opfern mit dem Opfer des Wissens und verehren mich als den einen, als den Besonderen und als den Vielfältigen, nach allen Seiten Blickenden. (09.15)

Ich bin die rituelle Handlung, ich bin das Opfer, ich bin die Ahnenspende, ich bin das (Heil-) Kraut, ich bin die (heilige) Hymne, ich bin auch die Schmelzbutter, ich bin das Feuer und ich bin der Opferguß. (09.16)

Ich bin der Vater dieser Welt, die Mutter, der Erhalter und der Großvater. Ich bin das Objekt des Wissens, der Läuterer. Ich bin die Silbe Om, und ich bin die rk, das sâman und ebenso das yajus. (Siehe 7.10 und 10.39) (09.17)

Ich bin das Ziel, der Träger, der Herr, der Zuschauer, die Wohnung, die Zuflucht und der Freund. (Ich bin) der Ursprung und die Auflösung, der feste Grund, die Ruhestätte und der unvergängliche Samen. (09.18)

Ich spende Hitze. Ich halte zurück und entsende den Regen. Ich bin die Unsterblichkeit und bin der Tod. Ich bin, o Arjuna, sowohl das Sein als auch das Nicht-Sein. (Siehe 13.12) (09.19)

Die Kenner der drei Veden, welche den Somasaft trinken, von Sünde gereinigt sind und mich mit Opfern verehren, erflehen den Weg zum Himmel. Sie erreichen die heilige Welt Indras (des Herrn des Himmels) und genießen im Himmel göttliche Freuden. (09.20)

Nachdem sie die weite Himmelswelt genossen haben, gehen sie (kehren sie), wenn ihre Verdienste erschöpft sind, in die Welt der Sterblichen ein (zurück). So erlangen sie, nach Freuden begehrend, gemäß der Lehre der drei Veden dasjenige, was veränderlich ist (der Geburt und dem Tode unterworfen ist). (Siehe 8.25) (09.21)

Denjenigen aber, die mich verehren, indem sie allein über mich nachdenken, diesen immer Beharrlichen bringe ich den Erwerb dessen, was sie nicht besitzen, und Sicherheit in dem, was sie besitzen. (09.22)

Selbst jene, die anderen Göttern anhangen und sie gläubig verehren, auch sie, o Sohn der Kunti (Arjuna), opfern keinem anderen als mir allein, obgleich sie es nicht nach dem wahren Gesetze tun. (09.23)

Denn ich bin der Genießer und der Herr aller Opfer. Aber diese Menschen kennen mich nicht in meiner wahren Natur, und darum fallen sie. (09.24)

Gottesverehrer gehen zu den Göttern; Ahnenverehrer gehen zu den Ahnen, die den Geistern opfern, gehen zu den Geistern, und die mir opfern, kommen zu mir. (Siehe 8.16) (09.25)

Wer immer mir verehrungsvoll ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder Wasser opfert, ich nehme dieses liebevolle Opfer eines Menschen reinen Herzens an. (09.26)

Was du tust, was du ißt, was du opferst, was du verschenkst, welche Askese du treibst, volbringe es, o Sohn der Kunti (Arjuna), als ein Opfer an mich. (Siehe 12.10, 18.46) (09.27)

So wirst du von den guten und bösen Folgen, welche die Fesseln der Werke sind, erlöst werden. Deinen Geist fest auf den Pfad der Entsagung gerichtet, wirst du befreit werden und zu mir gelangen. (09.28)

Ich bin derselbe in (ich gleiche) allen Wesen. Keiner ist mir hassenswert, keiner lieb. Aber jene, die mich in Hingabe verehren, sie sind in mir und ich bin in ihnen. (Siehe 7.18) (09.29)

Wenn er mich in aufmerksamer Hingabe verehrt, kann sogar ein Mensch von sehr üblem Wandel als rechtschaffen gelten; denn er hat sich recht entschlossen. (09.30)

Rasch wird er seine Seele der Rechtschaffenheit und erlangt immerwährenden Frieden. Wisse, o Sohn der Kunti (Arjuna), daß nimmer zugrunde geht, wer mir anhangt. (09.31)

Denn alle, die ihre Zuflucht in mir suchen, o Pârtha (Arjuna), auch wenn sie Niedriggeborene, Frauen, Vaiśyas und Sûdras sind, auch sie gelangen an das höchste Ziel.  (Siehe 18.66) (09.32)

Wieviel mehr erst die heiligen Brahmanen und die frommen königlichen Weisen. Verehre mich, nachdem du in diese vergängliche, leidvolle Welt eingetreten bist. (09.33)

Richte deinen Geist auf mich; sei mir ergeben; berehre mich; huldige mir; nachdem du dich so gezügelt hast, wirst du, mich zum Ziele habend, zu mir kommen. (09.34)

 

Dies ist das neunte Kapitel, genannt: Der Yoga des Erhabensten Wissens und des erhabensten Geheimnisses.

 

10. Gott ist die Quelle von Allem: Ihn kennen heißt Alles kennen

 

IMMANENZ UND TRANSZENDENZ GOTTES

 

Der Erhabene sagte: Höre noch weiter, o Starkarmiger (Arjuna), auf mein allerhöchstes Wort; Weil ich dir Gutes tun möchte, will ich es dir nun, da du Gefallen (an meinen Worten) findest, erklären. (10.01)

Weder die Götterscharen noch die großen Seher kennen meinen Ursprung, denn ich bin der Beginn der Götter und der großen Seher in jeder Weise. (10.02)

Wer mich, den Ungeborenen, Anfanglosen, den mächtigen Herrn der Welten, kennt, der ist unverblendet unter den Sterblichen und von allen Sünden befreit. (10.03)

Verstand, Wissen, Nicht-Verblendung, Geduld, Wahrheit Selbstbezähmung und Stille; Freude und Leid, Sein und Nicht-Sein, Furcht und Furchtlosigkeit, (10.04)

Gewaltlosigkeit, Gleichmütigkeit, Zufriedenheit, Askese, Mildtätigkeit, Ruhm und Schmach (sind) die verschiedenen Zustände der Wesen, entspringen aus mir allein. (10.05)

Die sieben großen Weisen der Vorzeit und auch die vier Manus haben meine Natur und sind meinem Geiste geboren; und von ihnen stammen alle diese Geschöpfe der Welt. (10.06)

Wer diese meine Herrlichkeit (Offenbarung) und Kraft (ständige Tätigkeit) wahrheitsgemäß erkennt, der wird durch unerschütterlichen Yoga (mit mir) vereint. Darüber besteht kein Zweifel. (10.07)

 

ERKENNTNIS UND HINGABE

 

Ich bin der Ursprung von allem; aus mir geht alles (die ganze Schöfung) hervor. Dies wissend verehren mich die Weisen, die im  Besitze der Überzeugung sind. (10.08)

Ihre Gedanken (sind) auf mich gerichtet, ihr Leben (ist) mir hingegeben, einander erleuchtend und ständig von mir sprechend, sind sie zufrieden und erfreuen sich (an mir). (10.09)

Diesen, die immerdar hingegeben sind und mich in Liebe verehren, gewähre ich die Versenkung des Verstandes, durch welche sie zu mir gelangen. (10.10)

Aus Mitleid mit diesen zerstöre ich, in meinem wahren Zustand verweilend, mit der leuchtenden Lampe der Weisheit die aus der Unwissenheit geborene Finsternis. (10.11)

 

DER HERR IST DER SAME UND DIE VOLLKOMMENHEIT

ALLES SEIENDEN

 

Arjuna sagte: Du bist das höchste Brahman, die höchste Wohnstätte und der höchste Läuterer, der ewige, göttliche puruşa, der erste derGötter, der Ungeborene, Allesdurchdringer. (10.12)

Dies sagen alle Weisen von dir, ebenso der göttliche Seher Nârada, und auch Asita, Devala, Vyâsa; und du selbst erklärst es mir. (10.13)

Alles was du mir sagst, o Kesava (Krsna), halte ich für wahr; weder die Götter noch die Dämonen kennen deine Offenbarung, o Herr. (10.14)

Wahrlich, du selbst kennst dich selbst durch dich selbst, o höchster puruşa: der Ursprung aller Wesen, der Herr der Geschöpfe; der Gott der Götter; der Herr der Welt. (10.15)

Du sollst mir ohne Auslassung von deinen göttlichen Offenbarungen erzählen, durch welche du, diese Welten durchdringend, (in ihnen und jenseits) wohnst. (10.16)

Wie kann ich dich, o Yogin, durch beständige Versenkung erkennen? In welchen mannigfaltigen Aspekten soll ich dich, o Erhabener, denken? (10.17)

Berichte mir noch weiter im einzelnen von deiner Macht und Offenbarung, o Janârdana (Krsna); denn ich bin vom Hören deiner nektargleichen Rede nicht gesättigt. (10.18)

Der Erhabene sagte: Ja, ich will dir meine göttlichen Gestalten erklären, aber nur jene, die am meisten hervorragen, o bester der Kurus (Arjuna); denn meiner Ausbreitung (meinen Einzelheiten) ist kein Ende gesetzt. (10.19)

Ich bin, o Gudakesa (Arjuna), das Selbst, das im Herzen aller Geschöpfe wohnt. Ich bin der Beginn, die Mitte und das Ende der Wesen. (10.20)

Von den Âdityas bin ich Visnu; von den Lichtern (bin ich) die strahlende Sonne; ich bin Marîci von den Maruts, von den Sternen bin ich der Mond. (10.21)

Von den Veden bin ich der Sâmaveda; von den Göttern bin ich Indra; von den Sinnen bin ich der Geist und in den Lebewesen bin ich das Bewußtsein. (10.22)

Von den Rudras bin ich Samkara (Siva); von den Yakşas und Râkşassas (bin ich) Kubera; von den Vasus bin ich Agni (Feuer) und von den Berggipfeln bin ich der Meru. (10.23)

Erkenne mich als den obersten der Hauspriester, Brhaspati; von den Heerführern bin ich Skanda, von den Seen bin ich der Ozean. (10.24)

Von den großen Weisen bin ich Bhrgu; von den Worten bin ich die eine Silbe Om; von den Opfern bin ich des Opfer der stillen Versenkung; un von den unbeweglichen Dingen (bin ich) der Himâlaya. (10.25)

Von allen Bäumen (bin ich) der Asvattha, und von den göttlichen Sehern (bin ich) Nârada; unter den Gandharvas (bin ich) Citraratha, und von den Vollkommenen (bin ich) Kapila, der Weise. (10.26)

Von den Pferden erkenne mich als den nektargeborenen Uccaihsravas; von den Elephanten-Fürsten (bin ich) Airâvata, und von den Menschen (bin ich) der König. (10.27)

Von den Waffen bin ich der Donnerkeil; von den Kühen bin ich die Wunschkuh; von den Zeugenden bin ich der Liebesgott, von den Schlangen bin ich Vâsuki. (10.28)

Von den Nâgas bin ich Ananta; von den Wasserbewohnern bin ich Varuna; von den (abgeschiedenen) Vorfahren bin ich Aryaman; von den das Gesetz und die Ordnung aufrecht Erhaltenden bin ich Yama. (10.29)

Von den Titanen bin ich Prahlâda; von den Berechnenden bin ich die Zeit; von den Tieren bin ich der König der Tiere (Löwe), und von den Vögeln (bin ich) der Sohn der Vinantâ (Garuda). (10.30)

Von der Läuterern bin ich der Wind; von den Kriegern bin ich Râma; von des Fischen bin ich der Alligator, und von den Strömen bin ich der Ganges. (10.31)

Von den Schöpfungen bin ich der Anfang, das Ende und auch die Mitte, o Arjuna; von den Wissenschaften (bin ich) die Wissenschaft vom Selbst; ich bin Sprache jener, die disputieren. (10.32)

Von den Buchstaben bin ich (der Buchstabe) A und von den Komposita (bin ich) das kopulative Kompositum;  ich bin auch die unvergängliche Zeit, und ich bin der Schöpfer, dessen Antlitz nach allen Seiten gerichtet ist. (10.33)

Ich bin der allesverschlingende Tod und (bin) der Ursprung der Dinge, die sein werden; und von den weiblichen Wesen (bin ich) die Berühmtheit, die Wohlfahrt, die Rede, die Erinnerung, die Intelligenz, die Stärke und die Langmut. (10.34)

Ebenso bin ich von den Hymnen das brhatsâman, von den Metren die gâyatri; von den Monaten (bin ich) mârgasişa, und von den Jahreszeiten bin ich der Blumenträger (Frühling). (10.35)

Von dem Betrügerischen bin ich das Spiel; von dem Glänzenden der Glanz; ich bin der Sieg; ich bin die Anstrengung und ich bin die Güte der Guten. (10.36)

Von den Vrsnis bin ich Vâsudeva; von den Pândavas (bin ich) der Schätzegewinner (Arjuna); von den Sehern bin ich auch Vyâsa, und von den Dichtern (bin ich) der Dichter Usanas. (10.37)

Von den Züchtigenden bin ich die Rute (der Züchtigung); von den nach Sieg Strebenden bin ich die kluge Politik; von den Geheimnissen bin ich das Schweigen und von den Weisheitskennern die Weisheit. (10.38)

Und was ferner der Same aller Lebewesen ist, das bin ich, o Arjuna; auch gibt es nichts Bewegliches und Unbewegliches, das ohne mich existieren kann. (10.39)

Meinen göttlichen Offenbarungen ist kein Ende gesetzt, o Feinbedränger (Arjuna). Was ich (hier) erklärt habe, soll nur ein veranschaulichendes Beispiel meiner unendlichen Herrlichkeit sein. (10.40)

Welches mit Herrlichkeit, Schönheit und Kraft ausgestattete Wesen es auch immer geben mag, wisse daß es aus einem Teile meines Glanzes entsprungen ist. (10.41)

Aber was brauchst du, o Arjuna, ein so ausführliches  Wissen? Ich trage dieses ganze All, indem ich es mit einem einzigen Teil meines Selbst durchdringe. (10.42)

 

Dies ist das zehnte Kapitel, genannt: Der Yoga der Offenbarung.

 

11.  DIE VERKLÄRUNG DES HERRN

 

ARJUNA BEGEHRT, GOTT IN SEINER ALLUMFASSENDEN GESTALT ZU SEHEN

 

Arjuna sagte: Das höchste Geheimnis, die Rede über höchste Selbst, die du mir gnädigerweise mitgeteilt hast: durch sie its meine Verwirrung von mir gewichen. (11.01)

Ich habe von dir ausführlich über die Beburt und das Hinschwinden der Dinge gehört, ebenso auch über deine unvergängliche Herrlichkeit, o Lotusäugiger (Kŗşna). (11.02)

Was du von deinem Sein ausgesagt hast, o höchster Herr, ist wirklich so. (Doch) begehre ich dernach, deine göttliche Gestalt zu sehen, o höchster puruşa. (11.03)

Wenn du glaubst, o Herr, daß es von mir gesehen werden kann, dann enthülle mir dein unvergängliches Selbst, o Herr des Yoga (Kŗşna). (11.04)

 

DIE OFFENBARUNG DES HERRN

 

Der Erhabene sagte: Erblicke, o Pârtha (Arjuna), meine Gestalten, hundertfältig, tausendfältig, verschiedenartig, göttlich, von verschiedenen Farben und Formen. (11.05)

Erblicke die Âdityas, die Vasus, die Rudras, die zwei Aśvins und auch die Maruts. Erblicke, o Bhârata (Arjuna), viele vorher nie gesehene Wunder.  (11.06)

Erblicke heute das ganze Universum, das bewegliche und das unbewegliche und was du sonst noch zu schauen begehst, o Gudâkeśa (Arjuna), hier in meinen Körper vereinigt. (11.07)

Doch kannst du mich nicht mit diesem deinem (menschlichen) Auge erblicken. Ich will dir das übernatürliche Auge verleihen. Schaue meine göttliche Macht. (11.08)

 

SAMJAYA BESCHREIBT DIE GESTALT

 

Samjaya sagte: Nachdem er so gesprochen hatte, o König, enthüllte Hari, der große Herr des Yoga, dem Pârtha (Arjuna) seine höchste und göttliche Gestalt: mit vielen Mündern und Augen, mit vielen wunderbaren Gesichten, mit vielem himmlischen Schmuck, mit vielen emporgestreckten göttlichen Waffen, himmlische Kränze und Gewänder tragend, mit himmlischen Düften und Salben, aus allen Wundern bestehend, strahlend, grenzenlos, das Antlitz nach allen Seiten gerichtet. (11.09-11)

Würde am Himmel plötzlich das Licht von tausend Sonnen aufflammen, so würde vielleicht dies dem Glanze jenes erhabenen Wesens gleichkommen. (11.12)

Da schaute der Pândava (Arjuna)das ganze Universum mit seinen mannigfachen Teilen in einem einzigen vereinigt, in dem Körper des Gottes der Götter. (Siehe 13.16, und 18.20) (11.13)

 

ARJUNA SPRICHT ZU GOTT

 

Dann sagte der Schätzegewinner (Arjuna), von Staunen ergriffen, mit sich sträubenden Haaren, sein Haupt vor dem Herrn verneigend, mit (zum Gruß) gefalteten Händen: (11.14)

Arjuna sagte: In deinem Körper, o Gott, sehe ich alle Götter und ebenso die verschiedenen Scharen von Wesen, Brahman, den Herrn, der auf dem Lotusthron sitzt, und alle die Weisen und die himmlischen Nâgas. (11.15)

Ich sehe dich mit nach allen Seiten unendlicher Gestalt, mit zahllosen Armen, Bäuchen, Gesichtern und Augen; aber dein Ende oder deine Mitte oder deinen Beginn sehe ich nicht, o Herr des Alls, o allumfassende Gestalt. (11.16)

Ich sehe dich mit deiner Krone, deiner Keule und deinem Diskus, wie eine Lichtflut überallhin leuchtend, schwer zu erkennen, nach allen Seiten hin (blendend) mit den Lichtstrahlen des flammenden Feuers und der Sonne, unvergleichlich. (11.17)

Du bist der Unvergängliche, das zu erfassende Höchste, du bist die letzte Ruhestätte des Alls; du bist der unsterbliche Hüter des ewigen Gesetzes, du bist, so meine ich, der immerwährende puruşa.(11.18)

Ich sehe dich als einen ohne Anfang, Mitte oder Ende, von unendlicher Macht, mit zahllosen Armen, mit Sonne und Mond als deinen Augen, mit einem Antlitz wie flammendes Feuer, dessen Schein dieses ganze All versengt. (11.19)

Von dir allein wird dieser Zwischenraum zwischen Himmel und Erde durchdrungen, ebenso alle Gegenden (Himmelsrichunggen). O Erhabener, die drei Welten erzittern, wenn diese deine wunderbare, schreckliche Gestalt erblicken. (11.20)

Jene Götterscharen treten in dich ein, und einige preisen dich furchtvoll mit gefalteten Händen, und die Scharen der göttmichen Seher und Vollkommenen rufen dir „Heil“ und beten dich an mit Hymnen überquellenden Lobes. (11.21)

Die Rudras, die Âdityas, die Vasus, die Sâdhyas, die Viśvas, die beiden Aśvins, die Maruts und die Manen, und die Scharen der Gandharvas, der Yakşas, Asuras und Siddhas, sie alle schauen dich an und staunen. (11.22)

Sehen sie deine große Gestalt, mit vielen Mündern und Augen, o Starkarmiger, mit vielen Armen, Schenkeln und Füßen, mit vielen Bäuchen, durch viele Fangzähne schreckerregend, so erzittern die Welten, und ich ebenso. (11.23)

Wenn ich dich ansehe, der du den Himmel berührst, in vielen Farber: erstrahlst, mit weit geöffneten Mündern und großen glühenden Augen, so erzittert meine innerste Seele, und ich finde keinen Halt und keine Ruhe, o Visnu! (11.24)

Wenn ich deine wegen der Fangzähne schreklichen Münder, wie die verzehrenden Flammen der Zeit, betrachte, verliere ich mein Ortsgefühl und finde keinen Frieden. Sei gnädig, o Herr der Götter, Zuflucht der Welten! (11.25)

Alle jene Söhne des Dhrtarâstra, zusammen mit den Scharen der Könige, und auch Bhîsma, Drona und Karna, gemeinsam mit den besten Kriegern auf unserer Seite – (11.26)

Stürzen in deine furchtbaren Münder mit den schrecklichen Fangzähnen. Man sieht einige, die sich zwischen den Zähnen verfangen haben, ihre Köpfe zu Staub zermalmt. (11.27)

Wie die vielen reißenden Wasserfluten der Flüsse dem Meere entgegeneilen, so stürzen diese Helden der Welt in deine flammenden Münder. (11.28)

Wie Motten eilig in ein flammendes Feuer stürzen, um dort vernichtet zu werden, so stürzen zu ihrer eigenen Zerstörung diese Männer mit großer Hast in deine Münder. (11.29)

Mit deinen flammenden Mündern verschlingst du allerorts die Welten und leckst sie auf. Deine glühenden Strahlen erfüllen dieses ganze All und versengen es mit ihrem glutvollen Schein, o Visnu! (11.30)

Sage mir an, wer du in dieser schrecklichen Gestalt bist. Heil sei dir, o du große Gottheit; sei gnädig! Ich begehre darnach, dich zu kennen, (der du) der Uranfängliche (bist), den ich kenne dein Wirken nicht. (11.31)

 

GOTT ALS RICHTER

 

Der Erhabene sagte: Ich bin die Zeit, die weltzerstörende, reifgewordene, damit beschäftigt, die Welt zu unterwerfen. Auch ohne dich (dein Handeln) werden alle in den gegnerischen Heeren aufgestellten Krieger zu sein aufhören. (11.32)

Darum erhebe dich und erringe Ruhm. Besiege deine Feinde und genieße ein blühendes Königtum. Sie sind bereits von mir geschlagen. Sei du nur mehr der Anlaß, o Savyasâcin (Arjuna) (11.33)

Erschlage den Drona, Bhîsma, Jayadratha, Karna und auch die anderen großen Krieger, die bereits von mir gerichtet sind. Habe keine Furcht! Kämpfe! Du wirst die Feinde in der Schlacht besiegen. (11.34)

Samjaya sagte: Nachdem Kiritin (Arjuna) die Rede Keśavas (Kŗşna) vernommen hatte, grüßte er ihn zitternd und mit gefalteten Händen wieder und sprach, sich furchtvoll niederwerfend, mit stockender Stimme zu Kŗşna. (11.35)

 

ARJUNAS PREISLIED

 

Arjuna sagte: O Hrsikeśa (Kŗşna), mit Recht erfreut und entzückt sich die Welt daran, dich zu verherrlichen. Die Râksasas (Dämonen) fliehen erschreckt nach allen Richtungen, und alle die Scharen der Vollkomenen verneigen sich vor dir (verehrungsvoll). (11.36)

Und wie sollten sie dir nicht huldigen, o Erhabener, der du größer bist als Brahman, der erste Schöpfer? O unendliches Wesen, Herr der Götter, Zuflucht des Alls, du bist das Unvergänliche, das Sein und das Nicht-Sein und was jenseits desselben liegt. (Siehe 9.19) (11.37)

Du bist der erste der Götter, der Ur-puruşa, die höchste Ruhestätte der Welt. Du bist der Kenner und das zu Erkennende und das höchste Ziel. Und von dir ist dieses All durchdrungen, o du von unendlicher Gestalt. (11.38)

Du bist Vâya (der Wind), Yama (der Zerstörer), Agni (das Feuer), Varuna (der Gott des Meeres) und Saśanka (der Mond) und Prajâpati, der Urwater (von allem). Heil dir, tausenmal Heil! Immer und immer wieder Heil, Heil dir! (11.39)

Heil dir vorne, (Heil) dir hinten und Heil dir auf allen Seiten, o All! Du, von grenzenloser Kraft und unermeßlicher Macht, durchdringst alles und bist darum das All. (11.40)

Was ich auch immer in Übereilung zu dir gesagt habe, denkend, du seist mein Gefährte, und uneingedenk dieser (Tatsache) deiner Größe, „o Kŗşna, o Yâdava, o Freund „sei es aus meiner Nachlässigkeit oder auch aus Zuneigung heraus,  (11.41)

Und was ich dir auch immer scherzhafterweise an Mißachtung zuteil werden ließ, beim Spiel oder auf den Bette oder lagernd oder beim Essen, entweder allein oder in Gegenwart anderer, o Unerschütterlicher, ich bitte dich, den Unermeßlichen, um Vergebung all dessen. (11.42)

Du bist der Vater der beweglichen und der unbeweglichen Welt. Du bist der Gegenstand ihrer Verehrung und deren würdevoller Lehrer. Keiner ist dir gleich. Wie könnte je einer größer sein als du in den drei Welten, o du unvergleichlich Großer! (11.43)

Darum verbeuge ich mich und werfe meinen Körper vor dir nieder, o anbetungswürdiger Herr. Ich suche deine Gnade. Wie ein Vater mit seinen Sohne, wie ein Freund mit seinem Freunde, wie ein Liebender mit seiner Geliebten sollst du, o Gott, Nachsicht mit mir haben. (11.44)

Ich habe nie zuvor Gesehenes gesehen und freue mich, aber mein Herz ist von Angst aufgewüchlt. Zeige mir deine andere (frühere) Gestalt, o Gott, und sei gnädig, o Herr der Götter und Zuflucht des Alls! (11.45)

Ich möchte dich wie vorhin erblicken, mit deiner Krone, mit der Keule und mit dem Diskus in der Hand. Nimm deine vierarmige Gestalt an, o du Tausendarmiger und Allgestaltiger! (11.46)

 

GOTTES GNADE UND TRÖSTUNG

 

Durch meine Gnade, durch meine götliche Kraft habe ich dir, o Arjuna, die höchste, lichtvolle, allumfassende, unendliche und uranfängliche Gestalt gezeigt, die noch keiner außer dir gesehen hat. (11.47)

Weder durch die Veden, (noch durch) Opfer, noch durch Studium, noch durch Gaben, noch durch Riten, noch durch strenge Askese vermag ich in dieser Gestalt von irgendeinem anderen als dir in der Menschenwelt gesehen zu werden, o Held der Kurus (Arjuna). (11.48)

Habe keine Angst, sei nicht verwirrt, wenn du diese meine schreckliche Gestalt erblickst. Betrachte frei von Furcht und frohen Herzens diese meine andere (frühere) Gestalt. (11.49)

Samjaya sagte: Nachdem er so zu Arjuna gesprochen hatte, enthüllte Vâsudeva (Kŗşna) ihm wiederum seine eigene Gestalt. Indem er wieder seine Gnadengestalt angenomen hatte, tröstete der Erhabene den erschrockenen Arjuna. (11.50)

Arjuna sagte: Indem ich, o Janârdana (Kŗşna), wieder diese deine menschliche, freundliche Gestalt erblicke, sammle ich mich und gelange in meinen natürlichen Zustand zurück. (11.51)

Der Erhabene sagte: Du hast diese meine Gestalt geschaut, die in Wahrheit schwer zu schauen ist. Selbst die Götter begehren darnach, diese Gestalt zu sehen. (11.52)

In dieser Gestalt, in der du mich nun geschaut hast, kann ich weder durch die Veden, noch durch Askese, noch durch Gaben, noch durch Opfer erblickt werden. (11.53)

Man kann mich aber, o Arjuna, durch wankellose Hingabe an mich in dieser Weise erkennen, mich in Wahrheit schauen und in mich eingehen, o Feindbedränger (Arjuna). (11.54)

Wer für mich wirkt, wer mich als sein Ziel betrachtet, wer mich verehrt, frei von Anhänglichkeit und ohne Feindschaft gegen alle Geschöpfe ist, dieser gelangt zu mir, o Pândava (Arjuna). (Siehe 8.22) (11.55)

 

Dies ist das elfte Kapitel, genannt: Die Anschauung der kosmischen Gestalt.

 

12.  VEREHRUNG DES PERSÖNLICHEN GOTTES IST BESSER

ALS MEDITATION ÜBER DAS ABSOLUTE

 

HINGABE UND BETRACHTUNG

 

Jene Hingebungsvollen, die dich in anhaltenden Ernste verehren, und jene auch, (die) das Unvergängliche und Unoffenbare (verehren), welche von diesen (beiden) haben das größere Wissen vom Yoga? (12.01)

Der Erhabene sagte: Jene, die mich mit auf mich gerichtetem Geiste, in anhaltendem Ernste und im Besitze des höchsten Glaubens verehren, diese betrachte ich als am meisten im Yoga vollkommen. (Siehe 6.47) (12.02)

Aber jene, die das Unvergängliche, das Undefinierbare, das Unoffenbare, das Allgegenwärtige, das Undenkbare, das Unveränderliche und das Unbewegliche, das Beständige verehren, indem sie alle Sinne bezähmen, in allen Lagen gleichmütig sind, sich an der Wohlfahrt aller Geschöpfe erfreuen, diese gelangen (genau so wie die anderen) gewißlich zu mir. (12.03-04)

Die Beschwerden jener, deren Gedanken sich auf das Nicht-Offenbare richten, sind größer; denn schwer erreichbar ist das Ziel des Nicht-Offenbaren für verkörperte (Wesen). (12.05)

 

VERSCHIEDENE ARTEN DES NAHEKOMMENS

 

Jene aber, die alle ihre Handlungen auf mich laden, die, auf mich bedacht, über mich nachsinnend, mit unerschütterlicher Hingabe Verehrung üben, diese, o Pârtha (Arjuna), deren Gedanken auf mich gerichtet sind, erlöse ich geradewegs aus dem Meere des todgeweihten Daseins. (12.6-7)

Richte deinen Geist allein auf mich, lasse deine Vernunft in mir Wohnung nehmen. Du sollst nachher in mir leben. Darüber gibt es keinen Zweifel. (12.08)

Wenn du aber nicht in der Lage bist, dein Denken beständig auf mich zu richten, dann suche mich, o Schätzegewinner (Arjuna), durch Versenkungsübung zu erlangen. (12.09)

Wenn du auch unfähig bist, mich durch Übung zu suchen, dann sei einer, der im Dienste an mir sein höchstes Ziel hat. Auch indem du um meinetwillen Handlungen vollbringst, wirst du die Vollendung erreichen. (12.10)

Wenn du auch dieses zu tun unfähig bist, dan entsage mit bezähmenten Selbst der Frucht alles Handelns, indem du Zuflucht zu meinen gebändigten Tätigsein nimmst. (12.11)

Besser, fürwahr, als die Übung (der Versenkung) ist Wissen; besser als Wissen ist Betrachtung; besser als Betrachtung ist Entsagung in bezug auf die Frucht des Handelns; der Entsagung (folgt) sogleich der Friede. (Siehe 18.02, 18.09) (12.12)

 

DER WAHRE FROMME

 

Wer keinem Wesen gegenüber böse gesinnt ist, wer freundlich und mitleidsvoll ist, frei von Egoismus und Selbstsucht, gleichmütig in Leid und Freude und geduldig ist, diesen Yogin, der stets zufrieden ist, selbstbezähmt und unerschütterlichen Entschlusses, der Sinn und Vernunft an mich hingegeben hat, ihn, meinen Verehrer, liebe ich. (12.13-14)

Er, vor dem die Welt nicht zurückweicht, und der vor der Welt nich zurückweicht, und der frei von Freude und Zorn, Furcht und Aufregung ist, ihn liebe ich. (12.15)

Er, der nichts erwartet, der rein, geschickt im Handeln, unbekümmert und sorglos ist, der allen Unternehmungsgeist (zu handeln) aufgegeben hat, ihn, meinen Verehrer, liebe ich. (12.16)

Er, der weder Freude hat, noch Haß empfindet, der weder trauert, noch begehrt, der dem Guten und dem Bösen abgeschworen hat, ihn liebe ich, der mir so ergeben ist. (12.17)

Er, der gegenüber Feind und Freund (sich) gleich (verhält), auch gegenüber guter und schlechter Nachrede, und der in Kälte und Hitze, Freude und Schmerz derselbe bleibt, under der frei von Anhänglichkeit ist, er, der Tadel und Lob für gleich hält, der schweigsam (zurückheltend im Reden) ist, der sich mit allem begnügt (was ihm begegnet), der keine feste Heimstatt hat, jedoch festen Verstandes ist, ihn, den Hingegebenen, liebe ich. (12.18-19)

Diejenigen aber, welche gläubig, mich als ihr höchstes Ziel betrachtend, dieser unsterblichen Weisheit folgen, diese Hingegebenen liebe ich außerordentlich. (12.20)

 

Dies ist das zwölfte Kapitel, genannt: Der Yoga der Hingabe.

 

13. DIE UNTERSCHEIDUNG ZWISCHEN

DEM KÖRPER ALS DEM

FELDE UND DER SEELE ALS DEM KENNER DES FELDES

 

DAS FELD UND DER KENNER DES FELDES

 

Arjuna sagte: prakrti und puruşa, das Feld und den Kenner des Feldes, das Wissen und den Gegenstand des Wissens, diese möchte ich gerne kennenlernen, o Keśava (Kŗşna).

 

In einigen Ausgaben fehlt diese Strophe. Ś. Kommentiert sie nicht. Wird sie miteingerechnet, so beläuft sich die Gesamtzahl der Bhagavadgîtâ-Strophen auf 701 und nicht auf 700, welches die durch die Überlieferung angenommene Zahl darstellt. Wir rechnen sie daher bei der Strophenzählung nicht mit.

 

Der Erhabene sagte: Dieser Körper, o Sohn der Kunti (Arjuna), wird das Feld genannt, und ihn, der dieses kennt, nennen die Wissenden den Kenner des Feldes. (13.01)

Erkenne mich, o Bhârata (Arjuna), als den Kenner des Feldes in allen Feldern. Das Wissen vom Felde und seinem Kenner erachte ich als wahres Wissen. (13.02)

Höre nun in Kürze von mir, was das Feld ist, von welcher Art es ist, welches seine Umwandlungen sind, woher es stammt, was er (der Kenner des Feldes) ist, und welche Kräfte er besitzt. (13.03)

 

DIE BESTANDTEILE DES FELDES

 

Dies ist von den Weisen auf vielfache Art und einzeln in verschiedenen Hymnen besungen worden und ebenso in den wohlbegründeten und überzeugenden Formulierungen der Lehrsprüche über das Absolute (brahmasûtra). (13.04)

Die großen (fünf groben) Elemente, der Selbst-Sinn, die Vernunft und ebenso das Nicht-Offenbare, die zehn Sinne und das Denkorgan und die fünf Sinnesobjekte; Begierde und Haß, Freude und Leid, das Aggregat (der Organismus), die Intelligenz und die Standhaftigkeit: damit ist in Kürze das Feld mit seinen Umwandlungen beschrieben. (Siehe 7.04) (13.05-06)

 

WISSEN

 

Demut (Nicht-Stolz), Unbescholtenheit (Nicht-Täuschung), Gewaltlosigkeit, Geduld, Aufrichtigkeit, dienende Verehrung des Lehrers, Reinheit (von Körper und Geist), Beständigkeit und Selbstbeherrschung, Gleichgültigkeit gegenüber allen Sinnesobjekten, Selbstaufgabe und Einsicht in das Übel von Geburt, Tod, Alter, Krankheit und Leiden, (13.07-08)

Nicht-Anhänglichkeit, Nichthaften an Sohn, Weib und Heim und dergleichen, un andauernder Gleichmut gegenüber allen erwünschten und unerwünschten Vorfällen, unerschütterliche Hingabe an mich in vollkommener Selbstzucht, Aufsuchen einsamer Orte, Abneigung gegen Ansammlungen von Menschen. Beharrlichkeit in der Erkenntnis des Geistes, Einsicht in das Endziel des Wissens von der Wahrheit: dies wird als (wahres) Wissen bezeichnet, und alles, was davon verschieden ist, gilt als Nicht-Wissen. (13.09-11)

Ich will dir beschreiben, was das zu Wissende ist, welches wissend man das ewige Leben erwirbt. Es ist das höchste Brahman, welches anfanglos ist und weder als seiend noch als nichtseiend bezeighnet wird. (Siehe 9.19, 11.37, und 15.18)  (13.12)

 

DER KENNER DES FELDES

 

Alles umhüllend wohnt es in der Welt, mit Händen un Füßen überall, mit Augen, Köpfen und Gesichtern allerorts, mit Ohren allerorts. (10.13)

Es scheint die Eigenschaften aller Sinne zu haben und ist doch ohne (irgendeinen) Sinn; es hängt an nichts und trâgt doch alles, ist frei von den gunas (Erscheinungsformen der prakrti), und genießt sie dennoch. (13.14)

Es ist außerhalb und innerhalb aller Wesen. Es ist unbeweglich und doch beweglich. Es ist zu fein, um erkannt zu werden. Es ist ferne und dennoch nahe. (13.15)

Es ist ungeteilt (unteilbar) und scheint doch unter die Wesen aufgeteilt zu sein. Man erkenne es als das, was die Geschöpfe erhält, vernichtet und neu erschafft. (Siehe 11.13, und 18.20) (13.16)

Es ist das Licht der Lichter. Es wird jenseits der Finsternis weilend genannt. Das Wissen, das Objekt des Wissens und das Ziel des Wissens: Es ruht in den Herzen aller. (Siehe 18.61) (13.17)

 

DIE FRUCHT DER ERKENNTNIS

 

So ist nun das Feld, das Wissen und das Objekt des Wissens in Kürze beschrieben worden. Wer mir hingegeben ist und dies versteht, wird meines Zustandes würdig werden. (13.18)

 

NATUR UND GEIST

 

Wisse, daß prakrti (Natur) und puruşa (Seele) beide anfanglos sind; und wisse auch, daß die Gestaltungen und die Erscheinungsweisen aus der prakrti (Natur) geboren werden. Die Natur gilt als Ursache von Wirkung, Werkzeug und Täter (sein); die Seele gilt als Ursache hinsichtlich des Erlebens von Freude und Scherz. (13.19-20)

Die Seele genießt in der prakrti die  Erscheinungsweisen der Natur. Ihr Hangen an den Erscheinungsweisen ist die Ursache für ihre Geburten in gutem oder schlechtem Mutterschoße. (13.21)

Der höchste Geist in diesem Körper wird der Zuschauer, der Zulasser, der Erhalter, der Genießer, der große Herr und das höchste Selbst genannt. (13.22)

Wer so die Seele (puruşa) und die Natur (prakrti) zusammen mit den Erscheinungsweisen kennt, wird nicht wiedergeboren, obschon er in jedem Falle handelt. (13.23)

 

VERSCHIEDENE WEGE ZUR ERLÖSUNG

 

Manche shauen das Selbst durch das Selbst in dem Selbst mittels der Meditation; andere mittels des Wissenspfades und andere wieder mittels des Werkpfades. (13.24)

Noch andere, die dessen (dieser Yoga-Pfade) unkundig sind, hören von anderen und üben Verehrung; und auch sie überqueren den Tod mittels ihrer Hingabe an das, was sie gehört haben. (13.25)

Welches Wesen, beweglich oder unbeweglich, auch immer geboren wird, wisse, o bester der Bharatas (Arjuna), daß es aus der Vereinigung des Feldes mit dem Kenner des Feldes (entsprungen) ist. (Siehe 7.06) (13.26)

Wer in allen Wesen in gleicher Weise den höchsten Herrn wohnen sieht, der unvergänglich ist, während sie vergehen, dieser sieht in Wahrheit. (13.27)

Denn, da er den Herrn überrall in gleicher Weise gegenwärtig sieht, verletzt er sein wahres Selbst nicht durch das Selbst und gelangt so zum höchsten Ziele. (13.28)

Wer einsieht, daß alle Handlungen nur von der Natur (prakrti) vollzogen werden, und ebenso, daß das Selbst nicht der Täter ist, dieser sieht in Wahrheit. (Siehe 3.27, 5.09, und 14.19) (13.29)

Wenn er einsieht, daß das (vielfältige) Einzelsein der Wesen inmitten des einen gelagert ist und sich von ihm her ausbreitet, erlangt er das Brahman. (13.30)

Da dieses unvergängliche höchste Selbst ohne Anfang, ohne Eigenschaften ist, handelt es nicht, o Sohn der Kunti (Arjuna), noch wird es befleckt, obgleich es im Körper verweilt. (13.31)

Wie der alldurchdringende Äther auf Grund seiner Feinheit nicht befleckt wird, so erleidet auch das Selbst, das in jedem Körper vorhanden ist, keine Befleckung. (13.32)

Wie die eine Sonne diese ganze Welt erleuchtet, so erleuchtet der Herr des Feldes dieses ganze Feld, o Bhârata (Arjuna). (13.33)

Wer so mit dem Auge der Weisheit den Unterschied zwischen dem Felde und dem Kenner des Feldes und die Erlösung der Wesen aus der Natur (prakrti) wahrnimmt, dieser gelangt zum Höchsten. (13.34)

 

Dies ist das dreizehnte Kapitel, genannt: Der Yoga der Unterscheidung zwischen dem Felde und dem Kenner des Feldes.

 

14. DER MYSTISCHE VATER ALLER WESEN

 

DAS HÖCHSTE WISSEN

 

Der Erhabene sagte: Ich will dir ferner jene höchste Weisheit, die beste aller Wissenschaften, erklären, durch deren Kenntnis alle Weisen aus dieser Welt in die höchste Vollendung hinübergegangen sind. (14.01)

Indem sie zu diesem Wissen ihre Zuflucht  genommen haben und mit mir wesengleich geworden sind, werden sie zur Schöpfungszeit nicht wieder geboren, noch werden sie zur Zeit der Weltauflösung in Bestürzung geraten. (14.02)

Das große Brahman (prakrti) ist mein Mutterschoß: in dieses lege ich den Samen, und aus ihm geht die Geburt aller Lebewesen hervor, o Bhârata (Arjuna). (Siehe 09.10) (14.03)

Was für Gestalten auch immer in irgendwelchen Mutterschößen entstehen mögen, das große Brahman ist ihr Mutterschoß, o Sohn der Kuntî (Arjuna), und ich bin der den Samen spendende Vater. (14.04)

 

GÜTE, LEIDENSCHAFT UND TRÄGHEIT

 

Die drei aus der Natur (prakrti) entstandenen Erscheinungsweisen (guna), Güte (sattva), Leidenschaft (rajas) und Tätigkeit (tamas) halten, o Starkarmiger (Arjuna), den unvergänglichen Körperbewohner im Körper festgebunden. (14.05)

Unter diesen ruft die Güte (sattva), da sie rein ist, Erleuchtung und Leidlosigkeit hervor. Sie bindet durch Hangen am Glück und durch Hangen am Wissen, o Schuldloser. (14.06)

Die Leidenschaft (rajas), wisse, besitzt des Wesen der Anziehung und entspringt aus Begehren und Anhänglichkeit. Durch Hangen an dem Werke bindet sie, o Sohn der Kuntî (Arjuna), den Verkörperten fest. (14.07)

Aber die Trägheit (tamas), wisse, ist aus der Unwissenheit geboren und verblendet alle verkörperten Wesen. Sie bindet, o Bhârata (Arjuna), indem (sie die Eigenschaften) der Nachlässigkeit, der Faulheit und des Schlafes (zur Entfaltung bringt). (14.08)

Güte verhaftet (den Menschen) an das Glück, Leidenschaft an das Handeln, aber die das Wissen verhüllende Trägheit, o Bhârata (Arjuna), verhaftet den Menschen an die Nachlässigkeit. (14.09)

Güte herrscht vor, wenn diese, o Bhârata (Arjuna), die Leidenschaft und die Trägheit überwältigt, Leidenschaft herrscht vor, (wenn diese) die Güte und die Trägheit (überwältigt), und ebenso herrscht Trägheit vor, (wenn diese) die Güte und die Leidenschaft (überwältigt). (14.10)

Wenn in alle Tore des Körpers das Licht des Wissens einströmt, dann möge man wissen, daß die Güte zugenommen hat. (14.11)

Gier, Betriebsamkeit, Unternehmung von Werken, Unruhe und Begehren: diese erheben sich, wenn, o bester der Bharatas (Arjuna), das rajas zunimmt. (14.12)

Nicht-Erleuchtung, Untätigkeit, Nachlässigkeit und reine Verblendung: diese entstehen, wenn, o Freude der Kurus (Arjuna), die Trägheit zunimmt. (14.13)

Wenn die verkörperte Seele zur Auflösung gelangt, während die Güte vorherrscht, geht sie in die reinen Welten derjenigen ein, die das Höchste wissen. (14.14)

Wenn sie zur Auflösung gelangt, während die Leidenschaft vorherrscht, wird sie unter Werkfreudigen wiedergeboren; wenn sie sich auflöst, während die Trägheit vorherrscht, wird sie in den Mutterschößen der  Verblendeten wiedergeboren. (14.15)

Die Frucht guter Handlung gilt als güte-artig und rein; die Frucht der Leidenschaft ist Leiden, die Frucht der Trägheit ist Unwissen. (14.16)

Aus Güte entsteht Wissen, und aus Leidenschaft entsteht Begierde; Nachlässigkeit und Irrtum, ebenso auch Unwissenheit, entstehen aus der Trägheit. (14.17)

Die in der Güte gegründet sind, steigen empor; die Leidenschaftsvollen verbleiben in den mittleren (Bereichen); die Trägen, die in das Geschehen der niedrigsten Erscheinungsweise getaucht sind, sinken nach unten. (14.18)

Wenn der Betrachter keinen anderen Täter als die Erscheinungsweisen wahnimmt und auch jenes kennt, was hinter den Erscheinungsweisen liegt, gelangt er zu meinem Sein. (Siehe 03.27, 05.09, und 13.29) (14.19)

Erhebt sich die Seele über diese drei aus dem Körper entspringenden Erscheinungsweisen, so wird sie von Geburt, Tod, Alter und Leiden befreit und erlangt ewiges Leben. (14.20)

 

DAS WESEN DES JENSEITS DER DREI ERSCHEINUNGSWEISEN STEHENDEN MENSCHEN

 

Arjuna sagte: Durch welche Merkmale, o Herr, ist einer gekennzeichnet, welcher sich über die drei Erscheinungsweisen erhoben hat? Welcher Art ist sein Leben? Wie gelangt er über die drei Erscheinungsweisen hinaus? (14.21)

Der Erhabene sagte: Wer, o Pândava (Arjuna), Erleuchtung, Tätigkeit und Verblendung nicht verabscheut, wenn sie eintreten, noch nach ihnen begehrt, wenn sie aufhören, wer wie ein Gleichgültiger dasitzt, von den Erscheinungsweisen ungestört, wer abseits steht, ohne zu schwanken, wissend, daß es nur die Erscheinungsweisen sind, welche handeln, (14.22-23)

Wer Schmerz und Freude für gleich erachtet, in seinem eigenen Selbst wohnt, wer einen Erdklumpen, einen Stein, ein Stück Gold, als gleichwertig ansieht, wer bei Angenehmem und Unangenehmem derselbe bleibt, starken Sinnes ist, Tadel und Lob für einerlei hält, wer in Ehre und Unehre derselbe bleibt, derselbe gegen Freude und Feinde, wer alle Unternehmungen aufgegeben hat, der gilt als einer, der sich über die Erscheinungsweisen erhoben hat. (14.24-25)

Wer mir mit unerschütterlicher, liebender Hingabe dient, erhebt sich über die drei Erscheinungsweisen; er ist tauglich, zum Brahman zu werden. (Siehe 07.14 und 15.19) (14.26)

Denn ich bin die Wohnstätte Brahmans, des Unsterblichen und des Unvergänglichen, des ewigen Gesetzes und der vollkommenen Wonne. (14.27)

 

Dies ist das vierzehnte Kapitel, genannt: Der Yoga der Unterscheidung der drei Erscheinungsweisen.

 

15. DER BAUM DES LEBENS

 

DER KOSMISCHE BAUM

 

Der Erhabene sagte: Man spricht von dem unvergänglichen Aśvattha (Pipal-Baum), der seine Wurzeln oben und seine Zweige unten hat. Seine Blätter sind die Veden, und wer dies weiß, ist ein Kenner der Veden. (15.01)

Seine von den Erscheinungsweisen genährten Äste erstrecken sich nach unten un nach oben und haben die Sinnesobjekte als Zweige; und untem, in der Menschenwelt, breiten sich die Wurzeln aus, die zu Handlungen führen. (15.02)

Seine wirkliche Gestalt kann hier nicht dieser From wahrgenommen werden, auch nicht sein Ende, noch sein Anfang, noch seine Grundlage. Nachdem man diesen stark verwurzelten Aśvattha (Pipal Baum) mit dem mächtigen Schwerte der Nicht-Anhänglichkeit gefält hat, soll man darnach jenen Pfad aufsuchen, von welchem nimmer zurückkehrt, wer ihn erreicht hat, denkend: „Ich nehme meine zuflucht zum Ur-puruşa, von dem dieser alte Weltenstrom (die kosmische Entwicklung) ausgegangen ist.“ (15.03-04)

Wer frei von Stolz und Verblendung ist, das Übel des Anhangens überwunden hat, wer, die Begierden beruhigend, sich stets dem höchsten Geiste hingibt, wer von den Gegensätzen, die wir mit Freude und Schmerz benennen, befreit und unverblendet ist, der geht in den ewigen Zustand ein. (15.05)

 

DAS OFFENBARE LEBEN IST NUR EIN TEIL

 

Diese erleuchten weder die Sonne noch der Mond noch das Feuer. Das ist meine höchste Wohnstätte, von welcher nimmer zurückkehrt, wer sie erreicht hat. (15.06)

 

DER HERR ALS DAS LEBEN DER WELT

 

Ein Teil (oder Bruchstück) meines eigenen Selbst, welcher in der Welt des Lebens zur lebendigen, ewigen Seele geworden ist, zieht die in der Natur ruhenden Sinne, deren sechster das Denkorgan ist, an sich. (15.07)

Wenn der Herr seinen Körper annimmt und ihn wieder verläßt, nimmt er diese (die Sinne und das Denkorgan) und geht dahin, wie der Wind die Düfte fortträgt von ihren Orten. (Siehe 02.13) (15.08)

Er genießt die Sinnesobjekte, indem er sich des Ohrs, des Auges, des Tastsinnes, des Geschmacks, des Geruchs und des Denkorgans bedient. (15.09)

Wenn er ausgeht oder verweilt oder, von den Erscheinungsformen berührt, genießt: die Verblendeten sehen ihn (die innewohnende Seele) nicht, wohl aber sehen (ihn) jene, welche das Auge der Weisheit besitzen (oder deren Auge die Weisheit ist). (15.10)

Auch die sich abmühenden Weisen schauen ihn als im Selbst gegründet, aber die Unverständigen, deren Seelen ungebändigt sind, finden ihn nicht, obgleich sie sich bemühen.(15.11)

Jenen Glanz der Sonne, der diese ganze Welt erleuchtet, den, der im Monde ist, den, der im Feuer ist, jenen Glanz erkenne als den meinen. (Siehe 13.17 und 15.06) (15.12)

Und ich erhalte alle Wesen durch meine lebenspendende Kraft, indem ich in die Erde eingehe; und ich nähre alle Kräuter (oder Pflanzen), indem ich zum saftreichen Soma (Mond) werde. (15.13)

Indem ich in den Körpern der lebendigen Geschöpfe zum Lebensfeuer werde und mich mit den Aushauchen und Einhauchen vermische, verdaue ich die vier Arten der Nahrung. (15.14)

Und ich wohne in den Herzen aller; von mir stammen Erinnerung und Wissen sowie deren Verlust. Ich bin es, fürwahr, der durch alle Veden zu erkennen ist. Ich (bin), fürwahr, der Urheber des Vedânta und auch der Kenner der Veden. (Siehe 06.39) (15.15)

 

DIE ALLERHÖCHSTE PERSON

 

Es gibt zwei Personen auf der Welt; die vergängliche und die unvergängliche; die vergängliche sind alle diese Wesen, und die unveränderliche ist die unvergängliche. (15.16)

Ein anderer als diese aber ist der höchste Geist, der als das höchste Selbst bezeichnet wird und als unvergänglicher Herr in die drei Welten eingeht und sie erhält. (15.17)

Da ich das Vergängliche übersteige und höber selbst als das Unvergängliche bin, werde ich in der Welt und im Veda als die höchste Person (puruşottama) gefeiert. (15.18)

Wer mich in dieser Weise unverblendet als die höchste Person erkennt, der weiß alles und verehrt mich mit seinem ganzen Wesen (seinem ganzen Geiste), o Bhârata (Arjuna). (Siehe 07.14, 14.26, und 18.66) (15.19)

So habe ich dir, o Schuldloser, nun die höchst geheime Lehre dargelegt. Ein Mensch, der dieselbe kennt, wird weise und gelangt zur Erfüllung aller seiner Pflichten, o Bhârata (Arjuna). (15.20)

 

Dies ist das fünfzehnte Kapitel, genannt: Der Yoga der höchsten Person.

 

16. DIE NATUR DES GOTTGLEICHEN

IND DES DÄMONISCHEN GEISTES

 

DIE GOTTGLEICHEN

 

Der Erhabene sagte: Furchtlosigkeit, Reinheit des Geistes, kluge Verteilung von Wissen und Versenkung, Mildtätigkeit, Selbstbeherrshung und Opfer, Studium der Schriften, Askese und Aufrichtigkeit, Gewaltlosigkeit, Wahrheit, Nicht-Zürnen, Entsagung, Ruhe, Nicht-Verleumdung, Mitleid mit den Geschöpfen, Begierdelosigkeit, Milde, Bescheidenheit und Beständigkeit (Nicht-Wankelmütigkeit), Kraft, Vergebung, Stärke, Reinheit, Nicht-Böswilligkeit und Nicht-Hochmut: dies (sind die Anlagen) dessen, der mit göttlicher Natur geboren wurde. (16.1-3)

 

DIE DÄMONISCHEN

 

Prahlsucht, Anmaßung, Überheblichkeit, Zorn, Rauheit und Unwissen: dies (sind die Anlagen) dessen, der mit dämonischer Natur geboren wurde. (16.04)

 

DIE FOLGEN DIESER BEIDEN NATUREN

 

Die göttlichen Anlagen führen, so heißt es, zur Erlösung, die dämonischen zur Bindung. Sei nicht betrübt, o Pândava (Arjuna), du bist mit göttlichen Anlagen (für ein göttliches Geschick) geboren. (16.05)

 

DIE NATUR DER DÄMONISCHEN

 

Es gibt zwei Arten von Geschöpfen in der Welt; die göttlichen und die dämonischen. Die Göttlichen sind ausführlich beschrieben worden. Vernimm von mir, o Pârtha (Arjuna), über die Dämonischen. (16.06)

Die Dämonischen wissen nichts vom Weg des Handelns und nichts vom Weg der Entsagung. Es fnden sich in ihnen weder Reinheit noch gutes Betragen noch Wahrheit. (16.07)

Sie behaupten, daß die Welt unwirklich sei, ohne Grundlage, ohne Herrn, in keiner geordneten kausalen Abfolge entstanden, kurz: duch Begierde verursacht. (16.08)

An dieser ihrer Ansicht festhaltend, erheben sich diese verlorenen Seelen, deren Einsicht schwach und deren Taten grausam sind, als die zur Zerstörung gereichenden Feinde der Welt. (16.09)

Unersättlichen Begierden verfallend, von Heuchelei, Hochmut und Anmaßung erfült, aus Verblendung falsche Ansichten fassend, handeln sie nach unreinen Entschlüssen. (16.10)

Von unzähligen Sorgen bedrängt, die nur mit (ihrem)Tode ein Ende fänden, die Befriedigung der Begierden als ihr höchstes Ziel erachtend, überzeugt, daß dieses alles sei, (16.11)

von hundert Banden der Begierden gebunden, der Wollust und dem Zorne hingegeben, trachten sie darnach, durch unrechte Mittel Massen von Reichtümern anzuhäufen, um ihre Begierden zu befriedigen. (16.12)

„Dies habe ich heute gewonnen; diesen Wunsch werde ich erlangen; dieses Gut ist mein und dieses wird (künftighin) auch mein sein. (16.13)

Ich habe diesen Feind getötet und werde auch noch andere töten. Ich bin Herr, ich bin der Genießer, ich habe Erfolg, bin mächtig und glückich. (11.14)

Ich bin reich und wohlgeboren. Wer ist es, der mir gleicht? Ich werde opfern, ich werde schenken, ich werde froh sein“, so sprechen sie, von Unwissenheit verblendet. (16.15)

Von vielen Gedanken verwirrt, in die Maschen der Verblendung verstrickt und der Befriedigung ihrer Sinne verschworen, fallen sie in eine schmutzige Hölle. (16.16)

Eingebildet, eigensinnig, von Stolz und dem Dünkel des Reichtums erfüllt, vollziehen sie Opfer, die dies nur ihrem Namen nach sind, prahlerisch und ohne auf Regeln zu achten. (16.17)

Der Selbstsucht, der Gewalt, dem Stolze, der Wollust und dem Zorne hingegeben, verachten mich diese böswilligen Menschen, der ich in ihnen selbst und in anderen wohne. (16.18)

In (diesem Kreislauf der) Geburten und (der) Tode stoße ich diese Übeltäter, diese grausamen Hasser, die niedrigsten unter den Menschen, ununterbrochen in die Mutterschöbe der Dämonen. (16.19)

In die Mutterschöße der Dämonen gefallen, von Geburt zu Geburt verblendet, erreichen mich, o Sohn der Kunti (Arjuna) diese Wesen nicht, sondern sinken in den niedersten Zustand hinab.(16.20)

 

DIE DREIFACHE PFORTE ZUR HÖLLE

 

Diese Pforte zur Hölle, welche die Seele zerstört, ist dreifach: Wollust, Zorn und Gier. Daher soll man diese drei aufgeben. (16.21)

Der Mensch, welcher von diesen, den drei Pforten zur Dunkelheit, erlöst ist, tut, was zum Heile seiner Seele gereicht, und gelangt hierauf, o Sohn der Kunti (Arjuna), in den höchsten Zustand. (16.22)

 

DIE ALTEN SCHRIFTEN ALS RICHTSCHNUR UNSERER PFLICHTEN

 

Wer sich jedoch der in den Schriften enthaltenen Gezetze entledigt und handelt, wie es seine Begierden eingeben, dieser erlangt weder Vollendung noch Glück noch das höchste Ziel. (16.23)

Darum möge in der Bestimmung dessen, was getan und was nicht getan werden soll, die Schrift dein Maßstab sein. Wissend, was durch die Gesetze der Schrift vorgezeichnet ist, sollst du dein Werk auf dieser Erde vollbringen. (16.24)

 

Dies ist das sechzehnte Kapitel, genannt: Der Yoga der Unterscheidung zwischen den göttlichen und den dämonischen Anlagen.

 

17. DIE DREI ERSCHEINUNGSWEISEN,

AUF RELIGIÖSE PHÄNOMENE ANGEWENDET

 

DIE DREI ARTEN DES GLAUBENS

 

Arjuna sagte: Welche Stellung, o Kŗşna, nehmen jene ein, welche die Anordnungen der Schriften vernachlässigen, aber, von Glauben erfüllt, Opfer darbringen? Ist es eine solche der Güte, der Leidenschaft oder der Trägheit? (17.01)

Der Erhabene sagte: Der Glaube der Verkörperten ist von dreierlei Art, da er aus ihrer Natur entspringt: gut, leidenschaftlich und träge. Höre nun darüber. (17.02)

Der Glaube eines jeden Menschen stimmt, o Bhârata (Arjuna), mit seiner Natur überein. Der Mensch wird von der Natur seines Glaubens geprägt:  Wie sein Glaube ist, so ist, fürwahr, auch er. (17.03)

Die guten Menschen verehren die Götter, die leidenschaftlichen verehren die Halbgötter und die Dämonen, und die anderen, die Trägen, verehren die Geister und die Gespenster. (17.04)

Jene Menschen, welche eitel und selbstsüchtig sind, von der Macht der Lust und der Leidenschaft angetrieben werden, eine furchtbare, von den Schriften nicht angeordnete Askere verrichten,  diese Törichten bedrängen die Gruppe der Elemente in ihrem Körper und mich auch, der im Körper wohne. Wisse, daß ihre Entschlüsse dämonisch sind. (17.05-06)

 

DREI ARTEN DER NAHRUNG

 

Auch die Nahrung, die jedem lieb ist, ist von dreierlei Art. Ebenso die Opfer, die Askese und die Schenkungen. Vernimm ihre Unterscheidung. (17.07)

Die Nahrungsmittel, welche das Leben, die Lebenskraft, die Stärke, die Gesundheit, die Freude und die Fröhlichkeit fördern, welche süß, milde, nahrhaft und angenehm sind, werden von den „Guten“ geliebt. (17.08)

Die Nahrungsmittel, welche bitter, sauer, salzig, sehr heiß, stechend, raub und brennend sind und Schmerz, Kümmernis und Unbehagen hervorrufen, werden von den „Leidenschaftlichen“ geliebt. (17.09)

Was verdorben, geschmacklos, faul, abgestanden, übriggeblieben und unrein ist, stellt die von den „Trägen“ geliebte Nahrung dar. (17.10)

 

DREI ARTEN DES OPFERS

 

Jenes Opfer ist „gut“, welches dem Gesetze der Schrift entsprechend von solhen dargebracht wird, die keinen Lohn erwarten und fest daran glauben, daß es ihre Pflicht ist, ein Opfer zu vollziehen. (17.11)

Was jedoch in Erwartung eines Lohnes oder um sich zur Schau zu stellen, geopfert wird, wisse, o bester der Bhâratas (Arjuna), daß ein solches Opfer „leidenschaftlich“ ist. (17.12)

Das Opfer, welches nicht mit dem Gesetz übereinstimmt, in welchem keine Nahrung gespendet wird, keine Hymnen gesungen und keine Opfergelder gezahlt werden, welches glaubensleer ist, nennt man „töricht“.

 

DREI ARTEN DER ASKESE

 

Verehrung der Götter, der Zweimal-Geborenen, der Lehrer und der Weisen, Reinheit, Aufrichtigkeit, Enthaltsamkeit und Gewaltlosigkeit: dies gilt als Askese des Körpers. (17.14)

Ein nicht verletzendes, wahrhaftes, angenehmes und nutzbringendes Äußern (von Worten) und regelmäßiges Rezitieren des Veda: dies gilt als Askese der Rede. (17.15)

Heiterkeit des geistes, Sanftheit, Stille, Selbstbeherrschung, Reinheit des Gemüts: dies wird Askese des Geistes genannt. (17.16)

Diese dreifache Askese nennt man „gut“, wenn sie von Menschen ausgeglichenen Geistes, die keinen Lohn erwarten, in höchstem Glauben ausgeführt wird. (17.17)

Jene Askese, die geübt wird, um Achtung, Ehre und Verehrung zu gewinnen oder sich zur Schau stellen zu können, wird „leidenschaftlich“ genannt; sie ist unbeständig und ohne Dauer. (17.18)

Jene Askese, die sich in törichter Hartnäckigkeit selbstquälerischer Mittel bedient oder andere zu benachteiligen sucht, wird „töricht“ genannt. (17.19)

 

DIE DREI ARTEN VON GABEN

 

Eine Gabe, die man jemandem überreicht, ohne ihre Rückgabe zu erwarten, fühlend, daß man sie zu geben verpflichtet sei, und die an einem rechten Orte und zu rechter Zeit und einer würdigen Person gegeben wird, eine solche Gabe wird als „gut“ erachtet. (17.20)

Eine Gabe aber, die in Hoffnung auf eine Gegengabe oder in Erwartung eines zukünftigen Gewinnes oder mit Kummer gegeben wird, hält man für „leidenschaftlich“. (17.21)

Und eine Gabe, die an einem unrechten Orte oder zu unrechter Zeit oder einer unwürdigen Person ohne die richtige Form und mit Verachtung gegeben wird, eine solche wird als „töricht“ bezeichnet. (17.22)

 

DER MYSTISCHE SPRUNCH: OM TAT SAT

 

„Om Tat Sat“ – dies wird als das dreifache Symbol des Brahman angesehen. Durch dieses wurden einst die Brahmanen, die Veden und die Opfer eingesetzt (17.23)

Die Erklärer des Brahman unternehmen daber die in den Schriften vorgeschriebenen Handlungen des Opfers, des Schenkens und der Askese immer mit dem Aussprechen des Wortes „om“. (17.24)

Und die nach Erlösung suchen, vollziehen die Handlungen des Opfers und der Askese un die verschiedenen Handlungen des Schenkens mit dem Aussprechen des Wortes „tat“, ohne nach dem Lohn zu begehren. (17.25)

Das Wort „sat“ wird in der Bedeutung Wirklichkeit und Güte verwendet; und so wir, o Pârtha (Arjuna), das Wort „sat“ auch für eine lobwürdige Handlung gebraucht. (17.26)

Die Beharrlichkeit im Opfer, in der Askese und im Geben wird gleichfalls „sat“ genannt, und so wird auch jede zu solchen Zwecken ausgeführte Handlung „sat“ genannt. (17.27)

Welches Opfer oder welche Gabe auch immer dargebracht wird, welche Askese auch immer betrieben, welche Zeremonie auch immer vollzogen wird, man nennt sie, o Pärtha (Arjuna), „asat“, wenn es ohne Glauben geschieht; sie haben weder später noch hier auf Erden irgendeine Bedeutung. (17.28)

 

Dies ist das siebzehnte Kapitel, genannt: Der Yoga der dreifachen Einteilung des Glaubens.

 

18. ENTSAGUNG SOLL NICHT AN DEN WERKEN, SONDERN AN DEN FRÜCHTEN DER WERKE  GEÜBT WERDEN

 

Arjuna sagte: Ich wünsche, o Starkarmiger (Kŗşna), das wahre Wesen des Verzichts und, o Hŗşikeśa (Kŗşna), der Entsagung im einzelnen zu erkennen, o Keśinişûdana (Kŗşna). (18.01)

Der Erhabene sagte: Unter Verzicht versteht der Weise das Aufgeben aller von der Begierde eingegebenen Werke. Entsagung, so erklären die Gelehrten, ist das Aufgeben der Früchte aller Werke. (Siehe 5.01, 5.05, und 6.01) (18.02)

Einige gelehrte Männer sagen: „Das Handeln ist als etwas Übles aufzugeben“; andere erklären, daß „die Handlungen des Opfers, des Gebens und der Askese nicht aufzugeben“ sind. (18.03)

Vernimm nun von mir, o bester der Bharatas (Arjuna), die Wahrheit über Entsagung: Die Entsagung, o bester der Männer (Arjuna), ist als von dreifacher Art verkündet worden. (18.04)

Handlungen des Opfers, des Gebens und der Askese sind nicht aufzugeben, sondern durchzuführen. Denn Opfer, Gaben und Askese sind die Läuterer des Weisen. (18.05)

Aber auch diese Werke sind auszuführen, indem Anhänglichkeit und Begierde nach den Früchten aufgegeben werden. Dies, o Pârtha (Arjuna), ist meine entschiedene und endgültige Meinung. (18.06)

Der Verzicht auf irgendeine Pflicht, die erfüllt werden soll, ist wahrlich nich richtig. Das aus Unwissenheit erfolgende Aufgeben derselben wird als seiner Natur nach „töricht“ bezeichnet. (18.07)

Wer eine Pflicht aufgibt, weil sie schmerzvoll ist, oder aus Furcht vor körperlichem Leiden, der vollzieht allein das „leidenschaftliche“ Entsagen und gewinnt den Lohn der Entsagung nicht. (18.08)

Wer aber, aller Anhänglichkeit und aller Furcht entsagend, eine vorgeschriebene Pflicht ausführt, weil sie getan werden soll, dessen Entsagung wird für eine „gute“ Entsagung gehalten. (18.09)

Der weise Mann, der entsagt, dessen Zweifel zerstreut sind, der die Natur der „Güte“ besitzt, kennt keine Abneigung vor unangenehmer Handlung und kein Anhangen an angenehmer Handlung.  (18.10)

Es ist jedem verkörperten Wesen in der Tat unmöglich, ganz und gar auf das Handeln zu verzichten. Wer aber die Frucht des Handelns aufgibt, der wird ein Entsagender genannt. (18.11)

Angenehm, unangenehm und gemischt: dreifach ist die Frucht des Handelns, die denjenigen nach dem Tode erwächst, die nicht entsagt haben. Für jene, die verzichtet haben, gibt es keine. (18.12)

 

HANDELN IST SACHE DER NATUR

 

Erfahre von mir, o Starkarmiger (Arjuna), diese fünf Faktoren, die in der Sâmkhya-Lehre verkündet wurden und das Zustandekommen aller Handlungen bewirken: der Sitz der Handlung und ebenso der Handelnde, die verschiedenartigen Instrumente, die mannigfachen Anstrengungen und die Vorsehung als das fünfte. (18.13-14)

Was für eine Wandlung auch immer ein Mensch mit seinem Körper, seiner Rede und seinem Geiste unternimmt, sei sie recht oder unrecht: diese fünf sind ihre Faktoren. (18.15)

Welcher Mensch verkehrten Sinne sich unter solchen Umständen als einzigen Täter betrachtet, der sieht, da sein Verstand ungebildet ist, nicht (richtig). (18.16)

Wer frei ,von Selbst-Sinn ist, wessen Verstand nicht befleckt wird, der, mag er auch diese Leute töten, tötet (doch) nicht und wird (durch seine Taten) nicht gebunden. (18.17)

 

ERKENNEN UND HANDELN

 

Das Erkennen, das Objekt des Erkennens und das erkennende Subjekt bilden den dreifachen Antrieb zum Handeln; das Instrument, die Handlung und der Handelnde bilden die dreifache Zusammensetzing der Handlung. (18.18)

In der Wissenschaft von den Erscheinungsformen gelten Erkennen, Handlung und Handelnder als von dreierlei Art entsprechend dem Unterschiede in den Erscheinungsformen. Auch von diesen sollst du gebührlich hören. (18.19)

 

DIE DREI ARTEN DES ERKENNENS

 

Die Erkenntnis, durch welche man die eine unvergängliche Wesenheit in allen Wesen erblickt, ungeteilt in den geteilten, diese Erkenntnis, wisse, ist von der Art der „Güte“. (Siehe 11.13, und 13.16) (18.20)

Die Erkenntnis, welche in den verschiedenen Geschöpfen auf Grund ihres Einzelseins eine Vielheit von Wesen erblickt, diese Erkenntnis, wisse, ist von der Art der „leidenschaft“. (18.21)

Was sich aber an eine einzige Wirkung, als wäre sie das Ganze, klammert, ohne Rücksicht auf die Ursache, ohne das Wirkliche zu erfassen, und in engstirniger Weise, dies wird als von „törichter“ Natur bezeichnet. (18.22)

 

DIE DREI ARTEN DER WERKE

 

Eine Handlung, die verpflichtend ist, die von einem micht nach der Frucht Verlangenden ohne Anhänglichkeit, ohne Liebe oder Haß verrichtet wird, gilt ihrer Natur nach als „gut“. (18.23)

Eine Handlung aber, die in großer Anstrengung von jemandem getan wird, der seine Begierden zu befriedigen trachtet oder vom Ich-Sin angetrieben wird, nennt man ihrer Natur nach „leidenschaftlich“. (18.24)

Eine Handlung, die aus Unwissenheit unternommen wird, ohne auf die Folgen, auf Verlust, Schaden und eigene menschliche Fähigkeit Rücksicht zu nehmen, gilt als von „törichter“ Art. (18.25)

 

DIE DREI ARTEN DES HANDENDEN

 

Den Handelnden, der frei von Anhänglichkeit ist keine ichsüchtigen Reden führt, voll von Entschußkraft und Eifer ist und von Erfolg oder Fehlschlag nicht bewegt wird, nennt man seiner Natur nach „gut“. (18.26)

Den Handelnden, der von Leidenschaft beherrscht wird, der gierig nach der Frucht seiner Werke strebt, der von verletzendem Wesen und unrein ist, der von Freude und Leid bewegt wird, nennt man seiner Natur nach „leidenschaftlich“. (18.27)

Den Handelnden, der ohne Gleichgewicht, gemein, eigensinnig, betrügerisch, böswillig, faul, verzagt und säumig ist, nennt man seiner Natur nach „trâge“. (18.28)

 

DIE DREI ARTEN DER VERNUNFT

 

Höre nun, o Schätzegewinner (Arjuna), die entsprechend den Erscheinungswesen dreifache Unterscheidung der Vernunft und der Festigkeit, die ich vollständig und im einzelnen darlegen will. (18.29)

Die Vernunft, welche weiß, was Handeln und Nicht-Handeln, was zu tun und was nicht zu tun ist, was zu fürchten und was nicht zu fürchten ist, was bindet und was (die Seele) befreit, (diese Vernunft), o Pârtha (Arjuna), ist ihrer Natur nach „gut“. (18.30)

Jene (Vernunft), durch welche man das Rechte und das Unrechte, was zu tun und was nicht zu tun ist, in falscher Weise erkennt, diese Vernunft, o Pârtha (Arjuna), ist ihrer Natur nach „leidenschaftlich“. (18.31)

Jene (Vernunft), welche, in Dunkelheit gehüllt, das Unrechte für das Rechte hält und alle Dinge verkehrt (der Wahrheit entgegengesetzt) sieht, diese Vernunft, o Pârhta (Arjuna), ist ihrer Natur nach „töricht“. (18.32)

 

DIE DREI ARTEN DER FESTIGKEIT

 

Die unerschütterliche Festigkeit, mittels welcher man durch Konzentration die Tätigkeiten des Geistes, die Atemhauche und die Sinne bändigt, diese, o Pârtha (Arjuna), ist ihrer Natur nach „gut“.(18.33)

Die Festigkeit, mit welcher man an der Pflicht, an Freude und Reichtümern festhält, nach der daraus folgenden Frucht verlangend, diese, o Pârtha (Arjuna), ist ihrer Natur nach „leidenschaftlich“. (18.34)

Die Festigkeit, mit welcher ein Tor nicht von Schlaf, Furcht, Kummer, Niedergeschlagenheit und Hochmut abläßt, diese, o Pârtha (Arjuna), ist ihrer Natur nach „töricht“. (18.35)

 

DIE DREI ARTEN DES GLÜCKES

 

Und höre nun von mir, o bester der Bharatas (Arjuna), die drei Arten des Glückes. Jenes, an dem man sich nach langer Übung zu erfreuen vermage und in welchem man das Ende seines Kummers erreicht, (18.36)

Jenes Glück, das zuerst wie Gift und schießlich wie Nektar ist, welches aus einem klaren Verständnis des Selbst entspringt, gilt als seiner Natur nach „gut“. (18.37)

Jenes Glück, das aus der Berührung der Sinne mit den Objekten entspringt, und welches zuerst wie Nektar und schießlich wie Gift ist, solches Glück wird „leidenschatlich“ genannt. (Siehe 05.22) (18.38).

Jenes Glück, welches sowohl anfangs als auch am Ende die Seele betört und aus Schlaf, Faulheit und Nachlässigkeit entspringt, dieses (Glück) wird seiner Natur nach „töricht“ geheißen. (18.39)

 

DIE EIGENE WESENSNATUR (svabhâva) UND STELLUNG (dharma)

BESTIMMEN DIE VERSCHIEDENEN PFLICHTEN

 

Es gibt kein Geschöpf, weder auf Erden noch unter den Göttern im Himmel, welches frei von den drei aus der Natur entsprungenen Erscheinungweisen ist. (18.40)

In Übereinstimmung mit den aus ihrer Natur erwachsenen Eigenschaften unterscheiden sich, o Feindbezwinger (Arjuna), die Tätigkeiten der Brahmanen, der Kşatriyas, der Vaiśyas und auch der Sûdras voneinander. (Siehe  04.13) (18.41)

Heiterkeit, Selbstbeherrschung, Askese, Reinheit, Nachsicht und Aufrichtigkeit, Weisheit, Wissen und religiöser Glaube: dies sind die aus seiner Natur entsprungenen Pflichten des Brahmanen. (18.42)

Heldentum, Kraft, Standhaftigkeit, Findigkeit, Durchhalten auch im Kampfe, Großherzigkeit und Führerschaft: dies sind die aus seiner Natur entsprungenen Pflichten eines Kşatriya. (18.43)

Ackerbau, Viehzucht und Handel sind die aus seiner Natur entsprungenen Pflichten eines Vaiśya; dienende Arbeit ist die aus seiner Natur entsprungene Pflicht eines Sûdra. (18.44)

Der Mensch erlangt Vollendung, wenn sich jeder seiner eigenen Pflicht befleißigt. Auf welche Weise man, sich seiner Pflicht befleißigend, Vollendung erlangt, dies höre nun. (18.45)

Indem er ihm, aus dem alle Wesen entstehen und von dem dies alles durchdrungen wird, durch die Ausführung seiner eigenen Pflicht Verehrung erweist, erlangt der Mensch die Vollendung. (Siehe 09.27, und 12.10) (18.46)

Es ist besser, sein eigenes Gesetz unvollkommen, als das Gesetz eines anderen vollkommen auszuführen. Wenn man die durch die eigene Natur gesetzte Pflicht verrichtet, zieht man sich keine Sünde zu. (Siehe 03.35) (18.47)

Man soll das seiner Natur angemessene Werk nicht aufgeben, mag es auch, o Sohn der Kunti (Arjuna), fehlerhaft sein. Wie das Feuer vom Rauch, sind alle Unternehmungen von Mängeln umhüllt. (18.48)

 

KARMAYOGA UND LETZTE VOLLENDUNG

 

Er, dessen Verstand nirgendwo haftet, er sein Selbst bezähmt hat, und dem die Begierde gewichten ist, gelangt durch Entsagung in den höchsten alles Werk überschreitenden Zustand. (18.49)

 

VOLLENDUNG UND BRAHMAN

 

Vernimm nun von mir in Kürze, o Sohn der Kunti (Arjuna), wie dieser, nachdem er Vollkommenjeit erlangt hat, zu Brahman, der höchsten Weisheitsvollendung, gelangt. (18.50)

Mit reinem Verstande ausgestattet, sich mit Stärke zügelnd, sich abkehrend vom Ton und den übrigen Sinnesobjekten, und Zuneigung und Abneigung abwerfend, in Einsamkeit verweilend, nur wenig essend, Rede, Körper und Geist im Zaume haltend, stets in Meditation und Versenkung befindlich, seine Zuflucht zur Leidenschaftslosigkeit nehmend und Selbst-Sinn, gewalt, Hochmut, Begierde, Zorn und Besitz abwerfend, wird er, der ichlos und ruhigen Geistes ist, würdig, mit dem Brahman eins zu werden. (18.51-53)

 

DIE HÖCHSTE HINGABE

 

Ist er mit dem Brahman eins und ruhigen Geistes geworden, so trauert er nicht mehr und begehrt nicht. Alle Wesen als gleich betrachtend, erlangt er die höchste Hingabe an mich. (18.54)

Durch Hingabe erkennt er mich, meine Größe und wer ich in Wahrheit bin. Nachdem er mich in Wahrheit erkannt hat, geht er alsbald in mich ein. (18.55)

 

ANWENDUNG DER LEHRE AUF ARJUNA

Indem er, zu mir seine Zuflucht nehmend, immerdar alle Werke verrichtet, erreicht er durch meine Gnade die ewige, unvergängliche Wohnstätte. (18.56)

Im Geiste alle Handlungen an mich übergebend, mich als den Höchsten betrachtend und festhaltend in der Stârke des Verstandes, sollst du dein Denken stets auf mich richten. (18.57)

Mein gedenkend, wirst du durch meine Gnade alle Schwierigkeiten überwinden. Du wirst hingegen zugrundegehen, wenn du aus Selbstdünkel nicht (auf mich) hören willst. (18.58)

Wenn du, deinem Eigendünkel folgend, denkst: „Ich will nicht kämpfen“, so ist dieser Entschluß vergeblich. Die Natur wird dich zwingen. (18.59)

Was du aus Verblendung nicht zu tun begehrst, dies, o Sohn der Kunti (Arjuna), mußt du, von deinen aus deiner Natur entsprungenen Taten gefesselt, vollbringen, auch wenn es gegen deinen Willen geht. (18.60)

Der Herr wohnt in den Herzen aller Wesen, o Arjuna, und treibt sie durch seine Kraft herum, als wären sie auf eine Maschine gesetzt. (18.61)

Nimm mit deinem ganzen Sein zu ihm deine Zuflucht, o Bhârata (Arjuna). Durch seine Gnade wirst du den höchsten frieden und die ewige Wohnung erlangen. (18.62)

So habe ich dir das Wissen dargelegt, das geheimer als alle Geheimnisse ist. Denke darüber gründlich nach und tue, wie du willst. (18.63)

 

LETZTE AUFFORDERUNG

 

Höre weiter mein höchstes Wort, das geheimste von allen. Ich habe dich sehr lieb und werde dir daher sagen, was für dich gut ist. (18.64)

Richte deinen Geist auf mich; sei mir ergeben; opfere mir; verehre mich; so wirst du zu mir gelangen. Ich verspreche es dir wahrhaftig, denn du bist mir lieb. (18.65)

Gib alle Pflichten auf und nimm allein zu mir deine Zuflucht. Sei nicht betrübt, den ich werde dich von allen Übeln erlösen. (18.66)

 

DER LOHN FÜR DIE BEFOLGUNG DER LEHRE

 

Du darfst dies niemals  einem sagen, dessen Lebenswandel ohne Askese oder welcher ohne Frömmigkeit oder ohne Gehorsam ist oder übel von mir spricht. (18.67)

Wer jene, die mir anhangen, dieses höchste Geheimnis lehrt, der wird, nachdem er mir so die höchste Verehrung erwiesen hat, ohne Zweifel zu mir gelangen. (18.68)

Niemand ist unter den Menschen, der mir etwas Lieberes tut als er, noch wird mir ein anderer teurer sein in dieser Welt. (18.69)

Und wer diese unsere heilige Zwiesprache studiert, der opfert mir, so denke ich, durch das Opfer des Wissens. (18.70)

Und auch jener Mensch, der sie gläubig und ohne Spott anhört, auch er wird erlöst in die glückseligen Welten der Rechtschaffenen eingehen. (18.71)

O Pârtha (Arjuna), hast du dies-mit auf einen Punkt gerichtetem Denken vernommen? O Schätzegewinner (Arjuna), ist deine durch Unwissenheit veranlaßte (geistige) Verblendung zerstreut worden? (18.72)

 

SCHLUSS

 

Arjuna sagte: Meine Verblendung ist aufgehoben, und ich habe durch deine Gnade, o Acyuta (Kŗşna), Erkenntnis gewonnen. Ich stehe fest, von Zweifeln frei. Ich werde nach deinem Worte handeln. (18.73)

Samjaya sagte: So habe ich diese wunderbare, meine Haare zum Sträuben bringende Zwiesprache zwischen Vâsudeva (Kŗşna) und dem hochherzigen Pârtha (Arjuna) gehört. (18.74)

Durch die Gnade Vyâsas vernahm ich dieses höchste Geheimnis, den Yoga, den Kŗşna, der Herr des Yoga, selbst gelehrt hat. (18.75)

Indem ich mir, o König, immer wieder diese wunderbare und heilige Zwiesprache zwischen Keśava (Kŗşna) und Arjuna ins Gedächttnis rufe, werde ich wieder und wieder von freude durchzucht. (18.76)

Und so oft ich mir jene wunderbarste Gestalt des Hari (Kŗşna) ins Gedächtnis rufe, ist mein Erstaunen groß, und ich werde, o König, wieder und wieder von Freude durchzuckt. (18.77)

Wo Kŗşna, ist, der Herr des Yoga, und Pârtha (Arjuna), der Bogenschütze, dort, so meine ich, ist gewiß das Glück, der Sieg, die Wohlfahrt und die rechte Sitte. (18.78)

 

Dies ist das achtzehnte Kapitel, genannt: Der Yoga der Erlösung durch Entsagung.

Hier endet die Bhagavadgitâ-Upanişad.

 

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